Mayröcker: Da muss ich mich anstrengen, um Lebensepochen herauszufinden. Eine Epoche ist die, seit Ernst Jandl tot ist. Das ist eine Epoche, die mir sehr viel Traurigkeit gebracht hat und noch immer bringt. Das ist eine neue Art des Gefühls von Verlassenheit und eigentlich von Im-Stich-gelassen-Sein, was vielleicht hart klingt. Ich ertappe mich immer wieder dabei, dass ich ihn auffordere: Komm und hilf.

ZEIT: Und kommt er?

Mayröcker: Nein, nicht immer.

ZEIT: Gibt es so etwas wie eine Restkommunikation über den Tod hinaus?

Mayröcker: Ja, vielleicht gibt es etwas wie eine Restkommunikation, am ehesten beim Schreiben. Wenn ich Dinge suche, und ich suche ja fast den halben Tag, dann sage ich: Wenn du wirklich irgendwo bist, dann muss ich das jetzt mit deiner Hilfe finden. Und manchmal finde ich es dann auch.

ZEIT: Sie leben beinahe Ihr ganzes Leben schon in einem Zettelgehäuse, in einem Zettelberg hier in der Zentagasse, den Sie sich selbst gebaut und nur selten verlassen haben. War das Leben im Zettelgehäuse ein Versuch, das Leben anzuhalten wie in einem endlosen Augenblick?

Mayröcker: Ein endloser Augenblick, das stimmt. Das ist die Beschreibung meines Lebens. Ein endloser Augenblick.