Russland Die UnzertrennlichenSeite 3/3
Das heißt: Aus dem deutsch-russischen Chambre séparée holt die Realität die Chefs einfach heraus. So ist das mit den Fakten, sie haben normative Kraft. Es geht nicht um separate Menschenrechtsfragen, um Pressefreiheit allein oder um offene Worte von »Gerhard« an »Wladimir«, nicht einmal nur um wohlgeordnet Bilaterales. Es geht darum, was auf lange Sicht aus dem Europa jenseits der EU werden soll. Dafür aber fehlt der »Freundschaft«, wie sich erweist, eine politische Basis, so etwas wie eine erarbeitete, begründete »vierte Ostpolitik« für übermorgen.
Das ist viel für zwei, vielleicht sogar zu viel für Europa. Und dennoch, das sind jetzt Europas Probleme, heißt es in Polen richtig. Die Ukraine, fügen sie dort noch hinzu, sei »europäischer« als die Türkei. Am Runden Tisch in Kiew schaffte Aleksander Kwásniewski den Durchbruch, der Pole, der neuerdings auch in Brüssel mitspricht. Und er drängt weiter, Putin einzubeziehen und Moskau die Sorge zu nehmen, der Westen werde im Jahr 2006 nach dem Vorposten Kiew auch einen »russischen Djindjic, Saakaschwili oder Juschtschenko« installieren. So jedenfalls hat Klaus Segbers, der Osteuropa-Experte, die Moskauer Psychose erlebt.
Solche Sorgen kann in Kiew beispielsweise am ehesten der Pole ausräumen, den Kontakt hatte er ohnehin nie abreißen lassen, und gescherzt haben sie dort auch schon mal über »Wahlfälschungen« im fernen Florida. Die Streitenden kamen zusammen. Schröder wiederum habe Putin »die europäische Position erklären können«, lobt der Warschauer Präsident. Sieh an, es geht. Auf die Frage übrigens, ob auch er Putin für einen lupenreinen Demokraten halte, erwidert Kwásniewski verschmitzt und vergnügt: »Wissen Sie, der Kanzler trifft den Präsidenten öfter, er kennt ihn sicher besser.«
- Datum 16.12.2004 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 16.12.2004 Nr.52
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