FUSSBALL Die AsiawochenSeite 2/2

Als im Mai 1999 der Stürmer Yang Chen im entscheidenden Spiel für Eintracht Frankfurt um den Bundesliga-Abstieg gegen den 1. FC Kaiserslautern spielte, saßen in China 100 Millionen vorm Fernseher. »Wegen Yang kannte damals jeder chinesische Fußballfan jede Bundesliga-Mannschaft«, sagt der Pekinger Sportjournalist Wang Yong Wang. In dieser Saison spielt kein Chinese in der ersten Bundesliga, aber die chinesischen Fans beobachten sehr genau, wie Zheng Zhi bei Hertha BSC zur Probe trainiert. Wenn sich Berlin hundert Millionen neuer Fans wünscht, müssen sie diesen Mann nur einstellen.

Der Pekinger Reisebüro-Mitarbeiter Cheng Fanglin, ein Amateurspieler, kennt einen weiteren Grund dafür, weshalb der deutsche Fußball dort so beliebt ist: Der deutsche Fußball stehe für Disziplin, und die sei es, was der Fußball in China benötige, wo es ähnlich wie in Deutschland kaum Straßenfußballer gibt, dafür aber umso mehr Fußballschulen.

»Stars wie Ronaldo und Zidane wird es bei uns nicht geben. Unsere Profis lernen früh, sich in die Mannschaft einzufügen. Ihr Individualismus wird nicht gefördert«, sagt Cheng Fanglin. Vergleichbares lässt sich über Japan und Südkorea sagen: Dort ist Fußball heute der populärste Schulsport, knapp eine Million Kinder spielen in Schulmannschaften, oder besser gesagt: Sie werden darin strengstens unterrichtet – warum sollte es auch auf dem Fußballfeld plötzlich lockerer zugehen als im Klassenzimmer?

Doch für alle Zeiten sicher können sich die deutschen Fußballer ihrer Anhängerschaft in China nicht sein. Die jungen Chinesen halten anders als die, die sich an Klaus Schlappner erinnern, gar nicht mehr so viel von guten Verlierern. Nach der Öffnung des Landes sind sie vor allem von Individualisten fasziniert, von Stars. Seit im vergangenen Jahr Real Madrid mit Beckham in Peking zu Gast war, sind die Deutschen spürbar weniger interessant: Schon stehen auf dem chinesischen Fußball-Lottoschein nur noch zwei Bundesliga-Spiele, vormals waren es immer mindestens vier.

Mitarbeit: Eun-Ha Hwang

* Kaum ist die Hinrunde der Fußballbundesliga beendet, fährt die deutsche Nationalmannschaft zu einer Reihe von Testspielen durch Asien. Jürgen Klinsmann nimmt neben Oliver Kahn auch einige in Asien weniger bekannte Spieler mit, etwa Marco Engelhardt vom 1. FC Kaiserslautern oder Patrick Owomoyela von Arminia Bielefeld. Die Mannschaft ist am Montag, 13.12., nach Japan geflogen, am Donnerstag, 16.12., spielt sie in Yokohama gegen Japan. Das Spiel wird in Deutschland von 12.10 Uhr an im ZDF übertragen. Drei Tage später, am 19. 12., spielen die Deutschen in Busan gegen Südkorea (11 Uhr mitteleuropäischer Zeit, ARD) und schließlich am 21. 12. in Bangkok gegen Thailand (12.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit, ARD). In der ZEIT wird nächste Woche Moritz Müller-Wirth von der Asien-Reise der Fußballer berichten

 
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