ungarn Der lange Weg zum Geld

Formulare, Fonds und Fördermittel: Wie die ungarische Stadt Pécs lernt, sich europäische Unterstützung zu sichern

Ispa, Sapard, Phare, Struktur- und Kohäsionsfonds, dazu Formulare und noch mal Formulare: Irgendwo in Europa gibt es Geld – wenn man die Akronyme und Kürzel kennt, die Töpfe anzapfen kann. Die richtigen Wege weiß, die perfekten Begründungen liefert. Sie in die Brüsseler Bürokratie einschleust.

Also sitzen 26 Männer und Frauen in einem Raum im Europa-Haus in der ungarischen Stadt Pécs und büffeln. Sechs Tage lang sitzen sie hier. Aus der ganzen Region sind sie nach Pécs gekommen, am Ende sollen sie Projektanträge schreiben können. Darüber, warum eine Weinkellerei eine Flaschenabfüllanlage benötigt und warum es dafür Geld aus Brüssel geben muss. Warum die Wiederverwertung von Bauschutt Fördermittel der Europäischen Union benötigt. Wieso 170000 Euro von der EU gut angelegt wären, um einem kleinen Gewerbegebiet auf die Beine zu helfen: weil man ein Logistik-Center für den Verkehr nach Kroatien werden könne, findet István Roszonyi. Der Projektmanager hofft, dass dieses Argument auch die Bürokratie in Brüssel überzeugt.

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Schon vor ihrem EU-Beitritt am 1. Mai gab es Geld für die zehn Beitrittskandidaten. Mit dem Phare-Programm wurde die Umgestaltung der Wirtschaft unterstützt. Sapard-Mittel flossen in die Landwirtschaft. Ispa stand für die Finanzierung von Verkehrs- und Umweltprojekten. Aber die Mittel waren begrenzt. So richtig öffnet sich das europäische Füllhorn erst jetzt.

»Da muss man vorbereitet sein«, sagt Katalin Kovács. Kovács, klein, mit schwarzen Locken über einem runden, fast immer lächelnden Gesicht, ist in Pécs so etwas wie die Miss Europa.

Pécs liegt im Süden Ungarns, ein paar Dutzend Kilometer vor der kroatischen Grenze. Die Stadt mit ihren 160000 Menschen ist ein teilweise liebevoll restauriertes Kleinod, an dem knapp fünf Jahrzehnte Kommunismus gleichwohl nicht spurlos vorübergegangen sind. Im großen Europa sind Pécs und sein Umland ein ziemlich kleiner, armer Fleck. Nicht so arm wie der Osten Ungarns, aber arm genug, um ein Recht auf Geld aus Brüssel zu haben. Ungarn insgesamt wird bis 2006 jährlich rund 3,5 Milliarden Euro bekommen, das Drei- bis Vierfache dieser Summe in den Jahren danach. Pécs will davon seinen Anteil.

Dafür sorgt Miss Europa. Katalin Kovács wurde schon Ende der Neunziger ins Rathaus berufen, um sich um die Gelder der EU zu kümmern. Heute befehligt sie eine eingeschworene Truppe von sechs jungen Leuten, die alle nur eines im Sinne haben: die Mittel einzutreiben, die Pécs und der Region helfen sollen, den Strukturwandel zu bewältigen und ein wenig weniger arm zu sein.

Das Europa-Haus, sagt Kovács, war früher die Zentrale der regionalen Bergbaugesellschaft. Wuchtig steht es an der Maria-Straße. 25000 Bergmänner, Helden sozialistischer Arbeit, wurden aus seinen Räumen kommandiert; Kohle- und Uranminen von hier aus überwacht. Bis zur Wende verdiente Pécs mit dem Bergbau Geld. Im vergangenen Jahr wurde die letzte Tagemine geschlossen. 150 Meter tief ist der graue Schlund unter einem kahlen Hügel im Osten der Stadt; niedrige, langsam verfallende Häuschen ehemaliger Grubenarbeiter reihen sich um Straßen, die teilweise Feldwegen gleichen. Kovács sagt, sie sei immer wieder bestürzt, wenn sie hier zwischen Grube und Bergarbeitersiedlungen steht. »Viel Geld brauchten wir, um das alles zu sanieren.«

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