ungarn Der lange Weg zum GeldSeite 4/4
Und wie sollen Pécs und die Region Süddanubien die etwa 95 Millionen Euro aufbringen, die es dem städtischen Müllabfuhrunternehmen Biokom unter anderem erlauben würde, in einem Naturschutzgebiet südlich der Stadt auf 100 illegalen Deponien aufzuräumen und künftig für Recycling und eine geordnete Müllabfuhr zu sorgen? Woher die knapp 30 Millionen Euro nehmen, die ein neuer, dringend benötigter Busbahnhof kostet, woher die Mittel, die für Parkplätze sorgen, für restaurierte Fassaden und Kirchen – wenn nicht zum Teil aus den Töpfen der EU?
Pécs hat sich um den Titel »europäische Kulturhauptstadt 2010« beworben. Barocke und klassizistische Prunkbauten aus der österreichisch-ungarischen Epoche schmücken die Innenstadt, türkische Besatzer fühlten sich hier im 16. Jahrhundert wie im »Garten Allahs« und errichteten Moscheen und Bäder, die Römer hinterließen Grabstätten. Das alles sei Stoff für Urlaubsträume von Besuchern aus der ganzen Welt, sagt Pécs’ nimmermüde Miss Europa, Katalin Kovács. In ihrem und den Büros ihrer Mitarbeiter hängen Karten und Pläne, türmen sich Akten, stehen kleine Styropor-Modelle: Da wollen wir hin, so soll die Stadt mal aussehen, sagt all das – nichts wie los, dies ist unsere Chance.
Dabei seien Pécs und Ungarn so etwas wie »Europas Teenager«, lacht Frau Kovács, also ein wenig ungestüm und noch längst nicht mit allen Wassern gewaschen. Europas Regeln, stöhnt auch Gyula Takáts, der stämmige Bürgermeister der Weinbauerngemeinde Villany, 30 Kilometer südlich von Pécs, seien wirklich schwer zu durchschauen. »Die Kuh Brüssel zu melken«, fügt er hinzu, »ist wahrlich nicht einfach.«
Aber, aber, Herr Bürgermeister. Villany hat sich mit Hilfe der EU in den letzten Jahren ordentlich herausgeputzt, beim Weinbauern Bock stammen die neuen Fässer aus Sapard-Mitteln, der Weinbauer Vajkai baut mit einer Million Euro eine computergesteuerte Anlage, die 1500 Hektoliter im Jahr verarbeiten soll. Worauf deutsche Bauern, Betriebe und Kommunen schon seit Jahrzehnten ein Anrecht hatten, das haben auch Herr Takáts und Villany, Katalin Kovács und Pécs bekommen. Das wird so bleiben. Dafür büffeln im Pécser Europa-Haus die Studenten.
- Datum 16.12.2004 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 16.12.2004 Nr.52
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