Ich habe noch Hoffnung

UN-Bevölkerungsexperte Mutizwa-Mangiza über das Phänomen Landflucht von 

DIE ZEIT: Nach manchen Berechnungen verlassen in den Entwicklungsländern jeden Tag 200 000 Menschen ihre Dörfer, um in die Städte zu ziehen. Die meisten enden in Elendsvierteln. Wie lässt sich die Landflucht stoppen?

Naison Mutizwa-Mangiza: Gar nicht. Auch in Europa sind die Menschen während der Industrialisierung in großer Zahl vom Land in die Stadt gezogen. Dieser Prozess ließ sich damals nicht aufhalten und lässt sich heute ebenso wenig aufhalten. Länder wie Südafrika, Simbabwe oder China haben versucht, die Landflucht zu verbieten. Abgesehen davon, dass dies vom Standpunkt der Menschenrechte her zweifelhaft ist, hat es wenig gebracht. Die Menschen sind dann eben illegal in die Städte gezogen.

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ZEIT: Was treibt sie dorthin?

Mutizwa-Mangiza: Die Armut. Ich selber stamme aus einem typischen afrikanischen Dorf im heutigen Simbabwe. Kaum einer, der dort aufwächst, möchte bleiben. Auf dem Land gibt es keine Schulen, keine Universitäten, keine Jobs. Oft verfügen die Bauern nicht einmal über ein ausreichend großes Feld.

ZEIT: Und deshalb ziehen die Armen um.

Mutizwa-Mangiza: Wir nennen das die Urbanisierung der Armut. Im Jahr 2001 lebten weltweit 2,9 Milliarden Menschen in den Städten. Im Jahr 2030 werden es schon 4,9 Milliarden sein. Die Zahl der Slumbewohner wird sich verdoppeln: von einer Milliarde im Jahr 2001 auf zwei Milliarden im Jahr 2030.

ZEIT: Aus dem Wachstum der Städte folgt doch nicht automatisch ein Wachstum der Slums.

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