rechtsradikale Glatze mit ScheitelSeite 3/3
Leute wie Hupka werfen dem Parteichef vor, er habe »kein festes Weltbild«. Der bayerische Verfassungsschutz sagt, Voigt habe sich in der Partei niemals auf irgendeinem Flügel exponiert, weder im Landesverband Bayern noch auf Bundesebene. Genau das macht Voigt gefährlich: Er ist ein Taktiker, ein Machtpragmatiker, der einfach tut, was im jeweiligen Moment nützt. So diente er lange dem Vorsitzenden Günter Deckert als Stellvertreter – dann stürzte er ihn. Ende der neunziger Jahre bekämpfte er die DVU, er ließ die NPD überall zur Wahl antreten, »wo es gilt, die Konkurrenz auszuschalten« – heute vertritt er genauso vehement ein Bündnis mit der DVU. Als im Jahr 2001 das Verbot der NPD drohte, schrieb er im Parteiorgan Deutsche Stimme, Hitler und die NSDAP hätten »vor der Geschichte versagt«. Heute, wo die Partei wieder obenauf ist, nennt er Hitler »einen großen deutschen Staatsmann«.
Solange Voigt über seine Biografie sprach, war er ruhig. Nun, da das Interview in die Untiefen seiner Weltanschauung führt, lockert er schon nach wenigen Worten die Krawatte. Dann eifert er gegen das »liberalistische Gleichheitsdogma«. Seine NPD habe das »lebensrichtige Menschenbild«, wenn sie von der »natürlichen Ungleichheit« der Menschen spreche. Die menschlichen Eigenschaften seien genetisch festgelegt, ihre Gleichbehandlung daher lebensfremd. Aber als Politologe müsse er doch wissen, dass die Liberalen nicht die Gleichartigkeit der Menschen meinen, sondern ihre Gleichheit vor dem Gesetz, hält man Voigt entgegen. Mehrmals. Er überhört das einfach. Er hat inzwischen den Pullunder ausgezogen. Er ist kein dummer Nazi, wie ihn Medien gern zeichnen. Er blendet bloß aus, was ihm nicht passt.
Nur in einer ethnisch reinen Nation, sagt Voigt, könnten »die Deutschen Großes leisten«. Wie er denn darauf komme? »Ich muss mich doch in einer Großgemeinschaft verorten!«, sagt er irgendwann genervt. Vielleicht ist nur mit solchem Selbstbild der öffentliche Druck zu ertragen, die Versammlungen in verräucherten Hinterzimmern oder die schäbige Parteizentrale. Nur so kann sich Voigt im Wahlkampf unverdrossen in den Nieselregen stellen und auf dem zugigen Postplatz von Dresden gegen das Quietschen der Straßenbahnen anbrüllen. Die meisten Leute gucken bloß von ferne. Und diejenigen, die näher kommen, haben oft verbrauchte Alkoholikergesichter. Voigt merkt natürlich, dass es nicht die Elite seiner Rasse ist, die zu NPD-Treffen kommt. Nur kann er sich seine Anhänger eben nicht aussuchen. In Reden distanziert sich Voigt von Gewalt, er sagt Skinheads: »Jeder Schlag mit der Baseballkeule ist ein Schlag gegen Deutschland.« Doch solange er gegen Ausländer agitiert, wird zumindest ein Teil seiner Gefolgschaft stets Taten folgen lassen.
Udo Voigt glaubt, er müsse das deutsche Volk retten. Die Frage, was nach einer Machtübernahme mit Leuten passieren würde, die nicht ins Konzept passen, empört ihn. »Sie denken wohl, die kommen ins KZ?« Das sei eine Unterstellung. Wohl aber müssten sie sich »dem Mehrheitswillen unterordnen«, sagt er. Andernfalls »haben sie freies Reiserecht«. Er lächelt freundlich dabei.
- Datum 16.12.2004 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 16.12.2004 Nr.52
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