BEICHTGESPRÄCH Die Kirche im DorfSeite 3/3

Und zu welchen Schritten rät man so jemandem?

»Zu allem, was nur möglich ist. Professionelle Hilfe. Die Lebensgestaltung: Die wissen ganz genau, die dürfen sich manchen Situationen nicht aussetzen, wo sie allein sind mit einem Kind, das wissen die genau, dass das verhängnisvoll ist.«

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Belastet ihn das?

»Das frag ich mich auch manchmal. Man merkt’s an den Träumen. Im wachen Zustand sagt man, okay, das lass ich hinter mir, und in der Nacht träumt man davon. Das heißt, es arbeitet doch in einem.

Und wenn er dann jemanden auf der Straße trifft, der eine schwere Sünde gebeichtet hat? Ist dann alles vergessen?

Ja. Weil man den wieder so annimmt. Das ist ja Vergebung.

Und Gott vergibt absolut alles?

»›Du musst es beichten. Auch wenn die Menschen dich verurteilen, ich verurteile dich nicht.‹ Im Allgemeinen machen die Menschen diese Erfahrung ja nicht. Von den Menschen bist du stigmatisiert, wenn du schwere Fehler begangen hast. Aber das Wunder des Glaubens – und das ist ein Wunder – bedeutet eben, dass der Makel weg ist. Dass du wieder als aufrechter Mensch durchs Leben gehst. Das ist ja das Unvorstellbare.«

Und die Menschen sind danach erleichtert?

»Die Menschen sind danach befreit, es hilft ihnen manchmal, Dinge abzuschließen.«

So ist das mit den Sünden und Sorgen in einem katholischen Alpental. Sie bleiben für lange Zeit im Dorf und in den Köpfen der Leute. Und wenn man sie lange genug mit sich umhergeschleppt hat, wenn man sie besprochen oder bereut hat, dann geht man an einem Samstag, vor dem Abendgottesdienst, die Treppe zur Kirche hinauf, man muss fast klettern, so steil ist sie. Zum Beichten, was ja ein bisschen wie beten und entweichen klingt. Und während auf den Bänken die blaulippigen alten Großmütter den Rosenkranz murmeln, zwängt man sich in die Holzzelle und spricht den Satz: »Ich bekenne vor Gott meine Sünden.« Und dann, in der Dunkelheit des Beichtstuhls, der in diesem Dorf schon ganz wurmstichig und schwarz ist, passiert diese chemische Reaktion, die etwas Schweres, Bedrückendes verwandelt und auflöst und in den Himmel entlässt. Und was passiert dort mit den Sünden?

»Gott vergibt sie. Das spielt dann keine Rolle mehr«, sagt der Pfarrer.

Die Formel selbst ist so schön, dass einem dabei fast die Tränen kommen, wenn der Pfarrer sie vorbetet, er singt jetzt fast: »Gott, der himmlische Vater, hat durch seinen geliebten Sohn, Jesus Christus, die Welt mit sich versöhnt und den Heiligen Geist gesandt zur Vergebung unserer Sünden. Durch den Dienst der Kirche schenke er dir Verzeihung und seinen Frieden. So spreche ich dich los von deinen Sünden, im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.« Vielen Menschen wird dadurch leichter ums Herz, und das ist auf jeden Fall ein Wunder, kein ganz kleines.

 
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