Seit es ihn gibt, hat der Monotheismus ein Medienproblem. Wie kann ein Gott, der kein Ding in der Welt, vielmehr der Schöpfer aller Ding und der mystische Hintergrund des Seins ist, präsent gemacht werden? Die Frage nach dem Medium des Monotheismus wird durch die aktuelle Konfrontation von Christentum und Islam neu angeschärft. Die Antwort heißt Weihnachten.

Doch nicht im Ernst! Die Kindheitsgeschichte Jesu, wie sie Lukas erzählt – ist sie nicht eine Kindergeschichte, ein Weihnachtsmärchen, ein Singspiel? " Gloria in excelsis Deo", so singen die Engelein, und süßer die Jingle Bells nie klingen, als wenn Rudolph the red-nosed reindeer jenen Santa, der die Distribution der Konsumgüter übernommen hat, auf hoch beladenem Schlitten durch die elektrifizierte Suburbia zieht, während sich überall im Land seine Gehilfen epidemieartig von den Hauswänden abseilen.

Nach den Ergebnissen der historisch-kritischen Exegese war die Heilige Schrift zu einem ehrwürdigen Fundus von Mythen und Legenden herabgespannt worden. Wundergeschichten wie die vom leeren Grab zu Ostern und die von der Jungfrauengeburt zu Weihnachten wollte eine gütige Interpretation allenfalls symbolisch verstehen. Irgendwie könnte "die Sache Jesu" auch so weitergehen.

Und was war das, die Sache Jesu? Im Zweifel der mythenfreie Restbestand, also das, was aus diesem Märchenbuch für die moralische Verbesserung des Menschengeschlechts brauchbar war. Fleißige Entmythologisierer hatten zwei Jahrhunderte lang Hand an die Heilige Schrift gelegt, die einmal der Glaubensanker der Reformatoren gewesen war. Arbeit am Heiligen! Wie ist sie der Heiligen Schrift bekommen? Historisch oder heilig – das schien auf eine Entscheidung hinauszulaufen. Der feste Grund für den Anker des Glaubens scheint freigespült, und das Schifflein treibt, wohin der Wind es weht.

Phantomschmerzen kennen wir: Bein ab, und doch kalte Füße. Ein Phantomglück taucht auf aus der langsameren, gewesenen Zeit: Weihnachten! Das war einmal das Christfest, strahlender Abglanz des unerschaffenen Lichts in dunkler Nacht. Das Geburtsfest Gottes als Mensch! Und wenigstens an Weihnachten waren alle daheim.

Wer hat Schuld an der Banalisierung von Weihnachten, ja überhaupt an der Kraftlosigkeit des westeuropäischen Christentums? "Ihr glaubt ja nichts", bemerkt der neue Nachbar aus der Türkei, dessen Töchter neuerdings wieder Kopftuch tragen.

Rekonstruieren wir Weihnachten einmal als Antwort auf jenes einzigartige Medienproblem, das darin besteht, dass von einer Realität die Rede sein soll, auf die man nicht mit dem Finger zeigen kann. "Keiner hat Gott je gesehen", heißt es im Kerntext des Neuen Testaments, dem Johannesprolog (1, 18).

Angenommen, der Ägyptologe Jan Assmann habe Recht und mit der "Mosaischen Unterscheidung" sei erstmals in der Religionsgeschichte ein Wahrheitsanspruch gestellt worden. Was für ein Sündenfall wider das höchste Gut der Toleranz! Für das relativistisch gestimmte Publikum führen längst nicht mehr alle Wege nach Rom, sondern dorthin, wo jeder nach seiner Fasson selig wird.