Ich habe einen TraumSeite 2/2

In meinem Traum lassen sich diese meine beiden Sehnsüchte nach Familie und Einsamkeit befrieden, ja regelrecht verbünden zu einem ganz und gar archaischen Bild. Ich träume davon, mich vollends zurückzuziehen vor der Welt. Ganz klein zu werden, in einer riesigen Höhle oder in der Wüste; in einem Raum, in dem das Auge schweifen kann.

Es ist ein Traum von einem Gang, der nichts zu tun hat mit touristisch geprägten Reisen, die Menschen heute in die Sahara unternehmen. Vielmehr erinnert es mich an jene Frau, die vor ein paar Jahren allein zum Südpol marschierte. Eine Frau, die mich ungeheuer fasziniert. Die hat beides!, dachte ich mir. Als sie startete, war sie auch schon über 40 und hatte drei erwachsene Kinder. Doch ich weiß, dass es die Abenteurerin in mir nicht gibt und dass ich die nötigen körperlichen Voraussetzungen dafür nie und nimmer mitbrächte.

Irgendwann muss ich diesen Weg auf meine Weise antreten. Es ist wie ein Auftrag, der meinem Leben innewohnt und auf seine Verwirklichung wartet. Dabei geht es letztlich natürlich auch um Glauben, unabhängig von der Tatsache, dass ich schon vor Jahren aus der Kirche ausgetreten bin.

Ich träume von einem anderen Alleinsein, anders als man sonst allein ist. Ich fühle mich immer ganz sicher, wenn ich nur mit mir bin. Aber in meinem Traum würde sich auch dieses Gefühl noch einmal lösen. Weil das »Ich« plötzlich nicht mehr wichtig ist, wenn man aufgeht in der Schöpfung und wieder eins mit ihr wird. Letztlich schließt sich da wieder der Kreis zu meinen Kindern und zur Familie, weil ich dieses Einssein mit der Schöpfung das letzte Mal bei der Geburt gespürt habe. Das absolute Mit-sich-allein-Sein ist aber auch der letzte Augenblick, bevor der Mensch stirbt. Vielleicht ist es die Sehnsucht danach, dieses Moments schon im Leben teilhaftig zu werden.

Aufgezeichnet von Andrea Thilo

 
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