presse Das Melk-KommandoSeite 3/3
Die Summe ist unbekannt, aber sie wird Manthey wohl einen Neustart als Verleger erleichtern. Ideen für Zeitschriften, die er entweder allein oder zusammen mit anderen Verlegern herausbringen wolle, habe er schon, heißt es.
Doch wohin treibt es ihn, durch den in den neunziger Jahren der Zeitgeist hindurchzuströmen schien? Was wird er anfangen, der ein in den eigenen Körper vernarrtes Publikum so perfekt bediente? Im vergangenen Jahrzehnt ließen Magazine wie Max oder Fit for Fun jedes noch so schnöde Bizeps-Training als Heilmittel für die Seele erscheinen, als Meditation nach einem langen Arbeitstag. Dazu schufen die Redakteure – vor allem bei Max – seitenlange, sinnliche Erlebnisse und erzählten ihren Lesern beiläufig und virtuos, was es in den Neunzigern zu essen, zu tragen und zu träumen galt. So wurde Manthey für eine konsumfreudige, erlebniswillige Mittelschicht zum König des Lifestyle, zum Gott der schönen Dinge – und die Werbetreibenden liebten ihn dafür.
Heute sind die Zeiten rauer, doch Manthey wolle, so heißt es, einfach wieder experimentieren. Entwickeln. Das verwirklichen, was er bei seinen langen Aufenthalten in Amerika gesehen habe. Er gehört insofern zu den Gewinnern der Übernahme. Seine Vergangenheit lässt er los und bekommt dafür die Mittel für eine Zukunft. Auch Rizzoli Corriere della Sera habe einen guten Schnitt gemacht, wie es in München und Hamburg heißt.
Zurück bleibt Hubert Burda mit einem leicht angegrauten Verlag. Auch wenn eine dürre Pressemitteilung der Münchner erst mal eine »ergebnisoffenen« Analyse verspricht, bereiten sich die ersten Milchstraßen-Bewohner auf mögliche Aufräumarbeiten vor. Die größte Kuh im Foyer des Verlagshauses – stets Markenzeichen der Milchstraße – trägt schon einen Schutzanzug.
- Datum 31.12.2004 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 31.12.2004 Nr.1
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