A oder B?, das ist die Frage, die der Computer versteht. Sagen Sie jetzt nicht vorschnell, im Leben, im wirklichen Leben, sei eine andere Logik am Werk. Stellen Sie sich lieber vor, Sie kommen erschöpft nach Hause und öffnen den Kühlschrank. Nehmen Sie den Kefir oder das Bier? Nun? A oder B? Also gut, ich weiß schon, Sie nehmen das Bier. Jetzt klingelt das Telefon. Weil Sie erschöpft oder schon vom Bier benebelt sind, heben Sie ab, obwohl Sie natürlich, Sie ahnen es schon, eine Alternative gehabt hätten. Nun stellt sich aber eine weitere Frage: Wer ist dran? Ihre Mutter oder die süße Lilli aus dem Club? Da wir uns im wirklichen Leben befinden und nicht im Computerspiel, haben Sie keine Wahl. Es ist Ihre Mutter. Und Mutter, während Sie schon beim sechsten Bier sind, redet noch immer, von irgendwelchen süßen Enkelkindern, die andere Söhne produziert haben, während Sie als egoistischer Single ... und so weiter. Hand aufs Herz: Wie viel würden Sie dafür geben, jetzt nicht im Leben, sondern im Computer unterwegs zu sein und den Anrufer nachträglich ändern zu können? Da ich heute meinen großzügigen Tag habe, gebe ich Ihnen die Chance, ins Computerspiel zu wechseln. Sie dürfen eine Seite zurückgehen und noch mal klicken, diesmal auf die Süße vom Club. Jetzt ist also Lilli am Telefon. Lilli ist einsam, Lilli will vorbeikommen. Lassen Sie, betrunken wie Sie sind, Lilli kommen? A oder B? Sie haben die Wahl, aber weil Sie so betrunken sind, natürlich auch wieder nicht. Sie lassen Lilli kommen, Lilli sinkt in Ihren Arm. Nehmen Sie nun, auf dem Weg ins Schlafzimmer, ein Kondom mit oder nicht? Ach, denken Sie, es ist ja nur ein Computerspiel, was soll's. Aber das Computerspiel, das haben Sie vergessen, ist strenger als das Leben, es kennt den Zufall nicht, es kennt nur A oder B. Sie haben B geklickt, das Kondom nicht genommen, und Lilli wird schwanger. Wenige Tage später, Sie sitzen wieder mit dem Bier vor dem Telefon, klingelt es abermals.

Was würden Sie jetzt darum geben, dass es Mutter ist! Es ist aber Lilli, denn der Computer kennt keinen Zufall, Lilli ist schwanger, Lilli heult, und Sie, wie ich Sie kenne, würden jetzt gerne aus dem Computer zurück ins Leben mit seinen gnädigen Zufällen. Aber nun habe ich keinen großzügigen Tag, Sie müssen im Computerspiel bleiben und dürfen nur noch die Frage beantworten, ob Sie sofort (A) oder erst später (B) Ihre Mutter anrufen, um ihr zu sagen, dass Sie jetzt auch ein süßes Enkelkind produziert haben. Finis

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