Zwei Tage vor Weihnachten ist am frühen Nachmittag ein Fax bei Hubert Burda angekommen. Zehn Jahre lang hat der Verleger auf diesen Moment gewartet, denn was sich da aus dem Gerät schiebt, ist nichts Geringeres als ein Vertrag. Der Vertrag! Das Papier erlaubt ihm nach monatelangen Verhandlungen, die Verlagsgruppe Milchstraße und damit den erfolgreichsten deutschen Lifestyle-Verlag der neunziger Jahre zu übernehmen.

Max, Fit for Fun, My Life, Amica, Cinema, Tomorrow und TV Spielfilm werden künftig in Hubert Burdas Konzern erscheinen, doch ist weit mehr geschehen als nur der Wechsel von sieben Zeitschriften zu einem neuen Besitzer.

Die Geschichte dieser Übernahme handelt vor allem von alten Rivalitäten. Von Abschied. Und spätem Neuanfang. Vier Platzhirsche des deutschen Zeitschriftengeschäfts händelten mit- und gegeneinander: der Verleger Hubert Burda (64) und der Gründer der Milchstraße, Dirk Manthey (50), der Journalist Helmut Markwort (68) und der Burda-Manager Jürgen Todenhöfer (64). Auch deshalb mag an jenem Tag vor Weihnachten, der für den Burda-Konzern eigentlich ein großer sein sollte, niemand öffentlich reden. Niemand tritt auf oder nach. Nur leise sickert die eine oder andere Information nach draußen.

Dabei bleibt es auch an den darauf folgenden Tagen, obwohl der Konzern mit dem Coup seine Position als Nummer zwei im deutschen Zeitschriftenmarkt festigen wird, sofern das Bundeskartellamt zustimmt. Dann gewinnen die Münchner endgültig rund 160 Millionen Euro Umsatz hinzu und nehmen mit ihren alten (Focus, Bunte, Das Haus) und neuen Zeitschriften zusammen 860 Millionen Euro ein, wenn man die Zahlen des Jahres 2003 zugrunde legt. Burda hält damit Anschluss an den Hamburger Marktführer Gruner + Jahr (rund 950 Millionen Euro Umsatz) und lässt die nächsten Konkurrenten weit hinter sich. Am Ende der Medienkrise, die Deutschland in den vergangenen Jahren schüttelte, wird seine Stellung im Wettstreit um Anzeigen stärker sein als je zuvor.

Mitten in diesem Geschehen steht von nun an Helmut Markwort, der ein Jahrzehnt lang Chefredakteur des Nachrichtenmagazins Focus war und als Erster Journalist dem Vorstand des Burda-Konzerns angehört. Er soll die Zeitschriften der Milchstraße übernehmen und - wo nötig - sanieren. Doch obwohl man in München seit zehn Jahren auf die Übernahme hingearbeitet hat, gibt es dort kein Konzept für die einzelnen Blätter, heißt es im Umfeld des Unternehmens.

Ein Grund dafür mag sein, dass bis etwa eine Woche vor der Entscheidung gar nicht klar war, wer für die Milchstraße zuständig sein wird.

King Gong soll die Rettung bringen