fernsehen Erleuchte uns, Meister!Seite 2/2

Kein Zweifel: Er ist schon wieder viel weiter. Er hat uns diese erste Sendung nur hingeworfen, um uns zu täuschen. Eine neue Probe von Schmidts Metahumor: Man lacht nicht mehr über seine Pointen, man denkt nach über das Umfeld und die dramaturgische Funktion der Pointe. Man sagt nicht: Oh, Schmidt hat gerade einen ganz schlechten Witz gemacht, man fragt sich: Warum hat Schmidt wohl jetzt gerade diesen schlechten Witz positioniert? Warum hat es ihm gefallen, diese erste Sendung so rettungslos zu versenken? Auf welcher fernen Sinnebene muss darüber gelacht werden?

Seine Katastrophen sind künstlerische Entscheidungen; er wird sie uns schon noch erklären, vielleicht in sieben, acht Monaten. Denn wir, seine Zuschauer, sind durch Frustration kaum noch zu vergraulen. Wir leiden nicht an einzelnen Schmidt-Sendungen, wir analysieren die Phasen seines Werks. Und in welcher Phase ist Schmidt jetzt? Er ist dabei, sich aus den Fesseln des »Unterklassenfernsehens« durch äußerste Kargheit der Einfälle zu befreien.

Schauen wir uns in Großaufnahme noch einmal sein neues Gesicht an; hören wir genau hin. Kommt da nicht das politische Kabarett wieder angeknistert? Hält Schmidt in seinem Bart etwa den guten alten Dieter Hildebrandt als Geisel?

Bei Hildebrandt allerdings gab es noch ein Programm. Er empfand sich als Instrument der Aufklärung; er ließ uns die Welt durch seine Brille sehen, in der Hoffnung, dass der Zuschauer dadurch klüger und die Welt besser werden würde. Schmidt, diese Kunstfigur ihrer selbst, erklärt nichts mehr. Vielmehr versuchen wir andauernd, sie uns zu erklären. Mag sein, so hat kürzlich ein Feuilletonist vermutet, dass hinter Schmidts Masken gar nichts ist. Mag sein; aber auch darin ist Schmidt unser Spiegel.

 
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