DIE ZEIT:The Gates sind das erste Großprojekt, das Sie in Ihrer Wahlheimat New York verwirklichen. Seit wann beschäftigt es Sie?

Christo: Die ersten Ideen dazu reichen weit zurück. Wir kamen im Februar 1964 auf der SS France nach New York, noch ganz wie klassische Einwanderer mit dem Schiff. Nach der langen Überfahrt war der Anblick der Skyline natürlich besonders beeindruckend. Manhattan zog uns sofort in seinen Bann. Zu seinen Eigentümlichkeiten gehört, wie viel die Leute hier zu Fuß gehen. Sehr bald schon wollten wir etwas mit Fußgängern machen – ihre Bewegung irgendwie ummanteln. Doch auf den Gehwegen durften wir nichts installieren, und so gaben wir diese Idee zunächst wieder auf. 1978 haben wir dann Wrapped Walk Ways in einem Park in Kansas City, Missouri, realisiert, in mancher Hinsicht ein Vorläufer der Gates.

ZEIT: Schritte, Gangarten, Passagen – das also war der Ausgangspunkt?

Christo: Gehen stellt ja eine denkbar archaische Aktivität dar. Etwas gleichzeitig sehr Einfaches und sehr Komplexes. Ein Projekt auf New Yorks Gehwegen wäre auch deshalb problematisch gewesen, weil die Menschen es dort meist eilig haben und nicht behindert werden wollen. Der einzige Ort in Manhattan, wo sie seit eh und je spazieren gehen, ist der Central Park.

ZEIT: Gehen Sie auch selbst dort spazieren?

Jeanne-Claude: In den sechziger Jahren fuhr ich im Sommer fast jeden Tag in den Park. Und zwar zusammen mit unserem Sohn, Cyril. Er war vier Jahre alt, als wir ankamen. Seit dieser Zeit kenne ich den Park in- und auswendig. Oder vielmehr: Ich glaubte ihn zu kennen. Doch damals ging man zum Beispiel nicht in den nördlichen Teil, der an Harlem und Spanish Harlem angrenzt, schon gar nicht mit einem Kleinkind. Wie groß der Park wirklich ist, habe ich daher lange nicht begriffen. Als wir dann 1980 den ersten Anlauf für The Gates unternahmen, haben wir ihn bis in den letzten Winkel erkundet und vermessen. Nachdem das Projekt dann aber abgeschmettert wurde, waren wir zwanzig Jahre lang kaum je wieder dort – wir gehen nicht zum Vergnügen spazieren, nur da, wo wir etwas zu tun haben.

ZEIT: Für den zweiten, schließlich erfolgreichen Anlauf haben Sie den Park dann im Sommer 2002 abermals begangen. Wie hatte er sich verändert?