DIE ZEIT: Vor einigen Monaten wollten Sie den Start von Hartz IV am liebsten aufschieben, nun kann Ihre Arbeitsverwaltung doch fast alle Anträge bescheiden, und die Reform tritt pünktlich in Kraft. Haben Sie nur aus Zweckpessimismus gewarnt?

Frank-Jürgen Weise: Es gab echte Risiken. Aber die Mitarbeiter haben sich auf allen Ebenen der Bundesagentur für Arbeit so engagiert, dass wir unsere Ziele erreichen konnten und alle rechtzeitig eingereichten Anträge bearbeitet haben. Dennoch warne noch einmal: Ein Erfolg ist erst da, wenn die Beträge richtig ausgezahlt werden und alles funktioniert hat.

ZEIT: Mit welchen Störungen rechnen Sie?

Weise: Die Agenturen haben sich auf Demonstrationen eingestellt. Ich appelliere an die Teilnehmer, dass sie diese Aktionen friedlich ablaufen lassen. Im Übrigen blicken wir mit einer gewissen Anspannung auf die ersten Januarwochen. In diesem Zeitraum sind jedes Jahr besonders viele Arbeitslose zu betreuen, und es werden vermutlich viele Menschen mit Fragen zum neuen Arbeitslosengeld II kommen. Dieser Ansturm wird unsere Mitarbeiter noch einmal extrem fordern.

ZEIT: Bisher ist nur ein kleiner Teil der großen Arbeitsmarktreform geschafft. Wie wollen Sie Ihre Leute nach der Anstrengung der vergangenen Wochen motivieren, mit dem gleichen Tempo weiterzumachen?

Weise: Die Bundesagentur hat in den vergangenen Wochen eine Leistung erbracht, die uns nicht viele zugetraut haben. Unsere Mitarbeiter verdienen dafür Respekt und Anerkennung. Dennoch werden die Anforderungen an sie im Jahr 2005 noch höher sein als 2004. Verbunden mit einem großen Lob für die geleistete Arbeit, haben wir das intern auch schon ganz nüchtern gesagt. Wir wollen im kommenden Jahr 162 Arbeitsämter zu modernen Kundenzentren umbauen. Bisher ist das nur in 18 Agenturen gelungen. Es gibt keine Verschnaufpause.

ZEIT: Wie lange wird es dauern, bis die verschiedenen Kulturen von Arbeits- und Sozialämtern zusammenwachsen?