Das gab es noch nie. Klaus Haschker, Pressesprecher des Berliner Gasversorgers Gasag, ist überrascht. Erstmals in der Geschichte des Konzerns weigern sich Kunden, für das Gas mehr Geld zu bezahlen. Rund 500 Widerständler haben dem größten deutschen Haushaltslieferanten geschrieben, dass sie die angekündigte Preissteigerung von sechs bis acht Prozent ohne solide Begründung nicht hinzunehmen gedenken. Es sind nur 500 unserer 700 000 Kunden, versucht Haschker zu beschwichtigen. Andere Gasversorger haben schwerer zu kämpfen.

Mehr als 46 Prozent der Bundesbürger heizen heute mit Gas

Ein nie dagewesener Sturm des Protests fegt über den deutschen Gasmarkt.

Allein im Norden bekamen Lieferanten wie E.on Hanse oder die Stadtwerke Bremen Tausende zornige Briefe und Anrufe. Bis zu 50 000 Kunden, schätzt der Bund der Energieverbraucher, haben ihren Versorgern einen eigens von den Verbraucherschützern vorbereiteten und im Internet abrufbaren Protestbrief geschickt. Darin bezichtigen die Aufständischen die Versorger mit ihren Plänen, die Lieferpreise für Erdgas um bis zu 14 Prozent zu erhöhen, der Unbilligkeit - und kündigen an, ihre Rechnungen nur teilweise oder unter Vorbehalt zu zahlen. Auch der Deutsche Mieterbund ruft seine Mitglieder dazu auf, sich gegen drohende Aufschläge bei den Gaspreisen zur Wehr zu setzen. In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass das Bundeskartellamt förmliche Missbrauchsverfahren gegen einige Anbieter eingeleitet hat.

Mehr denn je hängen Deutschlands Haushalte an dem flüchtigen Stoff. Heizten 1990 lediglich 27 Prozent der Bundesbürger mit Erdgas, sind es heute mehr als 46 Prozent. Von den 2003 hierzulande verbrauchten 960 Milliarden Kilowattstunden gingen nach Berechnungen des Bundesverbandes der Deutschen Gas- und Wasserwirtschaft (BGW) allein 500 Milliarden Kilowattstunden auf das Konto von 19,5 Millionen privaten Endkunden. Die heizen damit, kochen und erwärmen ihr Wasser. Insgesamt zahlten die deutschen Haushalte im Jahr 2003 für Erdgas die stolze Summe von 13,9 Milliarden Euro. Ein lukrativer Markt, an dem 700 meist kleine sowie ein paar große Unternehmen gut verdienen.

Seit Jahren langen die hiesigen Gaslieferanten nahezu ungeniert hin.

Endkunden haben so gut wie keine Wahl. Und das gleich in dreifacher Hinsicht.