An seltsame Riten exotischer Volksstämme haben wir uns in der globalisierten Moderne allmählich gewöhnt. Niemand dürfte sich daher über das Kuhfladenroulette wundern, das in Schwaben praktiziert wird. Staunend stehen wir dagegen vor der profunden Ethikdebatte, die das ländliche Treiben auslöst.

Dabei ist das Fladenroulette so simpel wie harmlos: Als Spielfeld dient eine Wiese, die schachbrettartig in Quadrate unterteilt ist. Darauf treibt man eine Kuh und wartet gespannt, wo sie ihren ersten Fladen platziert. Wer auf das richtige Feld gesetzt hat, kassiert.

Das sorgte unter Bauern so lange für Belustigung, bis im Stuttgarter Agrarministerium die Beschwerde einer Tierschützerin einlief: Man möge doch bitte prüfen, ob die tierische Lotterie nicht die Würde der Kuh verletze!

Eine heikle Angelegenheit. Einerseits ist der Tierschutz als Staatsziel in der Landesverfassung verankert. Andererseits konnte das Tierschutzreferat unter dem Aktenzeichen 34-9185.68 keinen klaren Gesetzesverstoß erkennen.

Die Empfindungen einer Kuh, die beim Absetzen von Kot von einer größeren Anzahl von Menschen beobachtet und gegebenenfalls angefeuert wird, entziehen sich nach Kenntnis des Ministeriums derzeit der wissenschaftlichen Nachprüfbarkeit. Nun tobt in Schwaben die Kuh-Ethikdebatte.

Bevor diese die großen Feuilletons der Republik erreicht, ist dringend wissenschaftliche Aufklärung gefordert. Was denkt die Kuh? Hat sie im Roulettespiel einen freien Willen? Und auf welches Feld sollte der Tierschutzbeauftragte setzen? Nein, der Wissenschaft werden auch im kommenden Jahr die Themen nicht ausgehen.