ZEIT-Gespräch Diese leere Muschel, die übrig geblieben ist…Seite 5/5

ZEIT: Sie sind auch Mitarbeiter der Lemberger ZeitschriftJi (Ï), einer liberalen Zeitschrift, die zwischen 1989 und 1991 als Dissidentenzeitschrift bestand und mit der Unabhängigkeit der Ukraine selbstständig wurde. Benannt ist sie nach einem Buchstaben im ukrainischen Alphabet, den es im Russischen nicht gibt.

Prochasko:Ji ist eine Zeitschrift, die sich mit der polnisch-ukrainischen Problematik befasst, mit der Grenzproblematik überhaupt. In der letzten Zeit haben wir immer wieder das Problem der EU-Osterweiterung diskutiert und was das für die Ukraine bedeutet und über das Europäische in der Ukraine. Neuerdings befassen wir uns auch mit der Problematik der Ost- und Südgrenze der EU, indem wir versuchen, typologisch die Lage der Ukraine, Moldawiens und Weißrusslands mit der Lage der maghrebinischen Länder zu vergleichen.

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Das Gespräch führte Doris Liebermann

ukrainisch Lwiw, polnisch Lwów, eine von Polen, Ukrainern, Deutschen, Juden und Armeniern geprägte Stadt des alten Mitteleuropa, fiel bei der ersten Teilung Polens 1772 an die Habsburgermonarchie. Lemberg wurde Hauptstadt des Königreichs Galizien und Lodomerien, wie der Österreich zugeschlagene Teil der alten polnischen Adelsrepublik fortan hieß. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Stadt wieder polnisch. 1939 besetzte die Rote Armee den östlichen Teil Polens, von Lemberg aus fanden 1940 und 1941 Massendeportationen polnischer Staatsbürger statt. Nach dem Krieg fiel die Stadt an die Sowjetunion. Der größte Teil der polnischen Bevölkerung wurde vertrieben.

Jurko Prochasko, 1970 geboren, Literaturwissenschaftler und Germanist, arbeitet am Lemberger Institut für Literaturforschung der Akademie der Wissenschaften. Er ist ein renommierter Übersetzer aus dem Deutschen und dem Polnischen.

 
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  • Quelle (c) DIE ZEIT 31.12.2004 Nr.1
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