Zum Ende des Innovationsjahres ist diese Meldung Balsam für Politikerseelen: Die Deutschen melden die meisten Patente in Europa an! Weltweit stehen wir sogar auf dem zweiten Platz, hinter den USA. Wenn das kein Trost für unser von Selbstzweifeln gebeuteltes Land ist. Was auch immer an Pisa-, Hartz- oder Föderalismusdebakeln über uns hereinbricht - auf die deutschen Tugenden ist Verlass. In Forschungslabors und Hobbykellern wird am ersehnten Aufschwung gebastelt.

Leider verliert die forsche Meldung beim näheren Hinsehen viel von ihrer vermeintlichen Strahlkraft. Zwar prognostiziert das Deutsche Patentamt mit 58 000 Patentanmeldungen für 2004 tatsächlich einen historischen Höchststand.

Doch die Zahl der erteilten Schutzrechte sank bedauerlicherweise in den vergangenen Jahren immer weiter ab. So wurde im Jahr 1990 noch etwa jeder zweite Antrag positiv beschieden (18 481 bewilligte Patente). 2003 dagegen fand nur noch rund ein Drittel aller Anträge (16 279) Gnade vor den Augen der Patentwächter. Das heißt: Mit steigender Quantität sinkt die Qualität der Anträge. Die scheinbare Ideenexplosion erweist sich bei näherem Hinsehen eher als trübe Ramsch-Lawine. Dabei ist noch nicht einmal die Rede davon, dass auch von den patentierten Geistesblitzen am Ende nur ein winziger Bruchteil zum marktfähigen Produkt - und damit zur wirklichen Innovation - taugt.

Für die Antragsflut sind freilich nicht jene Garagentüftler und Amateur-Einsteins verantwortlich, die die Menschheit mit Schneeball-Rundungsgeräten oder Massage-WC-Sitzen beglücken. Vielmehr sind es die Industrieunternehmen, die sich zunehmend der aggressiven amerikanischen Praxis anpassen und häufig Patente nur aus strategischen Gründen anmelden, um Forschungsmärkte zu besetzen und sich Konkurrenten vom Hals zu halten. Dazu kommen die vielen ins Leben gerufenen universitären Transferstellen und eine 2001 gestartete Verwertungsoffensive des Bundesforschungsministeriums, die - zumindest statistisch - Früchte trägt.

Nach der falschen Freude darüber, dass deutsche Denker zunehmend die Patentämter mit Anträgen bombardieren, wäre es nun wohl an der Zeit, dafür eine Qualitätsoffensive auszurufen.