Feuerbach Und Gott strahlte vor WeltlichkeitSeite 3/3

Vorzüglich ist die Einbeziehung des historischen Hintergrundes: beste »Aufbau«-Tradition. Das Existenzielle, das Psychologische kommt etwas zu kurz. Von Feuerbachs konsequent praktizierter »emanzipatorischer Sinnlichkeit«, seinen Liebesgeschichten, in denen er dem sexuell anarchischen berühmten Vater kaum nachstand, seiner unehelichen Vaterschaft (Plural?) würde man gerne noch Genaueres wissen, überhaupt von seinem beträchtlichen Temperament, das sich hinter seinem »klassischen« Stil eher verbirgt. Die Galle war seine Muse, wenn er über die politische Restauration oder auch die gelegentlich wenig gottgleichen Menschen schrieb.

Das religionsphilosophische Kernthema erhält bei Winiger den gebührenden Rang. Aber es wird auch nicht übersehen, wie unterschiedlich, öfters widersprüchlich die affirmativen und die kritischen Impulse in Feuerbachs Aufhebungsversuch der Religion sind. Die Antwort auf die Frage, welches Subjekt sich denn da in welchen Gott projizierte, bleibt schwankend. Wunsch und Furcht, die Selbststeigerung menschlichen Wesens im Gott und eine Theorie der an die Stelle des Gottes tretenden »Natur« stehen einander entgegen.

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Die Zeitläufte könnten aber wieder günstiger für Feuerbach werden, gerade weil sich allerorten eine fundamentalistische Religiosität regt, die dringend der Humanisierung bedarf. Feuerbachs Rückübersetzung der Theologie in Anthropologie ist aktueller denn je. Er ist der Analytiker jener Größenfantasien, die den Namen Gottes trugen und heute den einer menschengemachten Zeit nach dem Menschen tragen. Er beharrt darauf, dass der Mensch mehr ist als bloß ein Gesicht am Himmel.

Ludwig FeuerbachSachbuchDenker der Menschlichkeit; BiografieJosef WinigerBuchAufbau Taschenbuchverlag2004Berlin11,50398
 
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