DIE ZEIT:Die fetten Jahre sind vorbei war seit elf Jahren der erste deutsche Film, der nach Cannes eingeladen wurde. Wie ist das: Rufen Schlöndorff und Wenders an und gratulieren?

Weingartner: Ach, nein, ich glaube nicht, dass die meine Nummer haben. Der Zusammenhalt unter uns Regisseuren in Deutschland ist ja leider sehr schlecht.

ZEIT: Der Film erzählt die Geschichte von drei jungen Revolutionären, die in Villen einbrechen, dabei zwar nichts stehlen, aber Drohbotschaften hinterlassen wie zum Beispiel: »Sie haben zu viel Geld«. Wie hat es Ihnen denn in Cannes gefallen?

Weingartner: Es war natürlich zuerst einmal sehr surreal: Wie wir da über den Teppich laufen, tausend Fotografen schreien, und ein Pressebetreuer robbt auf Knien vor uns her, um zu zeigen, wohin wir uns drehen sollen. Man steigt eine Treppe empor wie in einer Kathedrale, und oben steht der Bischof, der Festivalleiter mit seiner Frau, und man wird in die Halle geleitet. Andererseits waren wir total euphorisch und haben uns voll die Kante gegeben. Entweder man macht Cannes mit, oder man bleibt zu Hause. Als Partykiller rumzulaufen hätte ich blöd gefunden. Die 15 Minuten Standing Ovations nach dem Ende des Films waren schließlich erst seine eigentliche Geburtsstunde. Das hatte es in Cannes noch nie gegeben. Wir saßen in der Mitte des Saales, ungefähr in der 20. Reihe, mit Beinfreiheit, und überall um uns herum sind die Leute aufgestanden. Wir haben uns gefühlt wie Rockstars.

ZEIT: War Ihnen Ihr Publikum sympathisch?

Weingartner: Wer mir zu verstehen gibt, dass er meinen Film mag, ist mir grundsätzlich symphatisch. Sicher waren das auch Leute, die hinterher mit der S-Klasse nach Hause gefahren sind, und im Film mussten sie mit ansehen, wie so ein Mercedes zerkratzt wird. Das hat mir Spaß gemacht: Wir sind dahin gefahren und haben unsere Botschaft hinterlassen wie die Protagonisten im Film. Ich habe mich gefühlt wie Christoph Schlingensief.