Nach der Flutkatastrophe in Süd- und Südostasien drohen in den betroffenen Küstenregionen jetzt Seuchen. Durch die von der Flut verunreinigten Abwassersysteme und Brunnen und das Fehlen von sauberem Trinkwasser kann es in erster Linie zum Ausbruch kleiner lokaler Epidemien kommen, beispielsweise von bakteriell verursachten Infektionen wie Typhus oder Cholera. Solche fäkal-oral übertragenen Erkrankungen sind jetzt das Hauptproblem, sagt Professor Gerd Burchard vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. Diese Krankheiten treten vor allem dann auf, wenn sie in den betroffenen Gebieten bereits vorkommen. Sauberes Trinkwasser ist für die Katastrophengebiete daher eine der wichtigsten Sofortmaßnahmen gegen Krankheiten.

Die Seuchengefahr, die von Leichen ausgeht, ist dagegen eher gering. Die Toten sind nicht an gefährlichen Infektionskrankheiten gestorben, sondern durch Unfälle. Die Weltgesundheitsbehörde weist außerdem darauf hin, dass die meisten Krankheitserreger, mit Ausnahme des HIV-Virus, nur für kurze Zeit in Leichen überleben können.

Ein weiterer Faktor in den betroffenen Küstengebieten sind jene Stellen, in denen die ablaufende Flut Brackwasser hinterlassen hat. In diesen Tümpeln vermehren sich Anophelesmücken und Aedes-Moskitos, die einen Anstieg von Malaria und Dengue-Fieber zur Folge haben können. Mit dieser Gefahr ist zumindest kurzfristig nicht zu rechnen. Mücken mögen kein Salzwasser und die vorher bereits vorhandenen Tümpel in Küstennähe sind durch die Flut mit Salzwasser ausgeschwemmt. Dazu dauert es eine gewisse Zeit, bis sich die Mücken vermehren und Krankheiten übertragen.

In jenen Gebieten, in denen Malaria oder Dengue-Fiber auftreten, können die Fälle in etwa vier bis sechs Wochen lokal häufiger vorkommen als zuvor. Mit epiedemieartigen Ausbrüchen ist aber voraussichtlich nicht zu rechnen, so Gerd Burchard vom Bernhard-Nocht-Institut. Wenn die Todesrate ansteige, werde das in erster Linie auf die fäkal-oral übetragene Krankheiten zurückzuführen sein.

Eine Verdoppelung der Todeszahl nach der Flut durch Seuchenausbruch, wie von der Weltgesundheitsbehörde am Mittwoch geäußert, erscheint unter diesen Umständen noch übertrieben. Auch in der Rückschau waren Epidemien als Folge von Flutkatastrophen eher selten. So hat es nach Informationen der WHO zwischen 1970 und 1994 bei den 14 weltweit größten Flutkatastrophen "nur" eine Epidemie mit Durchfallerkrankungen gegeben, 1980 im Sudan. Grundsätzlich treten flutbedingte Epidemien am ehesten auf in Verbindung mit erheblichen Bevölkerungswanderungen und der Beeinträchtigung der Trinkwasserversorgung.