Eigentlich freuen sich die Ärzte ohne Grenzen über die große Spendenbereitschaft in Deutschland sehr. Innerhalb einer Woche nahm die Hilfsorganisation über 20 Millionen Euro durch private Spenden ein. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2003 waren es 17,5 Millionen. Doch damit fangen auch die organisatorischen Probleme an: "Wir sind um eine solide Finanzplanung besorgt", sagt Sprecherin Christiane Löll. Denn es gibt auch andere Orte, an denen das Geld dringend benötigt wird.Weil die eingegangenen Spenden meist einen Vermerk für den Verwendungszweck tragen, darf die Hilfsorganisation sie nicht in anderen Krisenregionen einsetzen. "Bei ungebundenen Spenden kann flexibler über den Haushalt verfügt werden. Wenn Geld übrig bleibt, überlegen wir, was wir damit machen." Löll bittet deshalb darum, Spenden nicht zweckgebunden zu überweisen. Die Ärzte ohne Grenzen seien eine Nothilfeorganisation, die keine Entwicklungshilfe leiste. Das Ziel ist es, dort zu helfen, wo die Not gerade am schlimmsten ist. Das sei zwar im Augenblick in Asien der Fall. Doch größtes Einsatzgebiet der Ärzte ohne Grenzen ist derzeit die Krisenregion Darfur im Sudan.Diesem Problem steht die Welthungerhilfe nicht gegenüber. Am 30. Dezember sind 1,6 Millionen Euro eingegangen, die Hälfte davon ohne Zweckbestimmung. Andere Projekte würden bereits von der Spendenbereitschaft profitieren.Caritas International befürchtet stattdessen, dass sich die Deutschen jetzt finanziell verausgaben und im Laufe des Jahres weniger spenden werden als in den Jahren zuvor. Weil die Organisation vor Ort gut aufgestellt ist und die Flutwelle so verheerend war, wird das Geld fast ausschließlich in Asien eingesetzt. Die finanzielle Ausstattung könnte sich somit zu Ungunsten anderer Projekte verschieben, die erst in den kommenden Monaten durch Spenden bezahlt werden sollen.Bei Unicef wird vermutet, dass es schwierig sein wird, die Menschen in nächster Zeit für andere Themen zu mobilisieren. "Die enorme Katastrophe lenkt die Aufmerksamkeit von anderen Krisengebieten ab. Die Gelder für die Kinder in Asien stehen den Kindern in Darfur nicht zur Verfügung. Bisher war es aber sowieso schwer, Unterstützung für Darfur zu bekommen", sagt Sprecher Christian Schneider. Doch die Sorge, die Seebeben-Spenden nicht sinnvoll einsetzen zu können, habe man nicht. Eher im Gegenteil: "Derzeit befinden wir uns in einer Phase akuter Nothilfe. Wir brauchen aber noch viel mehr Geld für die anschließende Aufbauhilfe." An Geld fehlt es allen Hilfsprojekten.