studium Fernöstliche LehreSeite 2/2

Der Aufstieg Koreas hat auch damit zu tun dass koreanische Hochschulen eng mit der Wirtschaft kooperieren. Im Windschatten weltweit erfolgreicher Firmen wie Samsung, Kia oder Hyundai (siehe auch Der Herausforderer, ZEIT Nr. 50/04) tasten sich die Universitäten an die Weltspitze heran. »Man erkennt schon noch, dass viele Ideen von woanders stammen«, sagt der Bochumer Materialwissenschaftler Roland A. Fischer, der 2000 und 2004 in Südkorea war, »doch mit dem Rückenwind großer Unternehmen wird hier die Führerschaft in bestimmten Technologiebereichen übernommen.« Vor vier Jahren hätte er noch davon abgeraten, nach Korea zu gehen, sagt Fischer. »Mittlerweile finde ich es sehr gescheit.« Eine ähnliche Schlussfolgerung zieht Ex-DFG-Chef Frühwald: »Wer Wissenschaftler werden möchte, geht besser in die USA. Doch wer eine gute Berufsausbildung haben will, für den ist Korea eine gute Adresse.«

Die koreanische Regierung setzt klare Schwerpunkte: Das meiste Geld fließt in die Naturwissenschaften. An der Seoul National University etwa sind in den modernen Gebäuden die naturwissenschaftlichen Fakultäten untergebracht. Das Germanistische Seminar logiert in einem Bau, in dem der Putz von den Wänden bröckelt.

Die Studenten müssen das Diskutieren erst lernen

Auch in den Lehrveranstaltungen sind die neuen Zeiten vielfach noch nicht angebrochen: Hier regiert meistens noch die alte Garde von Professoren. »Die Studenten müssen schon sehr viel auswendig lernen«, berichtet Jan Rieländer, 25, der in Dresden einen Bachelor in Internationalen Beziehungen gemacht hat und nun an der Yonsei University studiert. Die Universität sei viel verschulter, und es sei nicht einfach, sich als frei denkender deutscher Student daran zu gewöhnen. »Die koreanischen Studenten sind es einfach nicht gewöhnt, in den Seminaren zu diskutieren – dafür beherrschen sie alle möglichen Definitionen«, sagt Katharina Epp. Junge Wissenschaftler, die in den USA ausgebildet worden sind, sind zwar begehrt, können sich aber mit ihren neuen Lehrmethoden noch nicht überall durchsetzen. Christian Plassmann, 22, der an der European Business School in Oestrich-Winkel Wirtschaft studiert, beschwert sich: »Selbst im Masterstudiengang kontrollieren die hier ständig die Anwesenheit.«

Plassmann besucht jeden Tag einen Koreanischkurs. Zwar bieten die koreanischen Universitäten zahlreiche Veranstaltungen auf Englisch an, »doch manche Alltagsdinge gehen eben nicht auf Englisch«. Die meisten Studenten leben in einem Internationalen Wohnheim und haben deshalb noch viel mit Ausländern zu tun. Jan Rieländer dagegen lebt in einer Wohngemeinschaft mit einem 30 Jahre alten Koreaner. Miete muss Rieländer nicht zahlen, stattdessen ist er eine Art Privatlehrer für seinen Mitbewohner: Er muss jeden Tag eine Stunde Englisch mit ihm sprechen. Auch Deutschland entdeckt Korea. Die Weimarer Musikhochschule gründete eine Dependance, auch eine koreanisch-deutsche Technische Hochschule soll entstehen. 2005 ist Korea das Gastland der Frankfurter Buchmesse und Schwerpunkt der Berliner Asien-Pazifik-Wochen. »Bislang weiß man in Deutschland fast nichts von Korea«, sagt Liane Garnatz vom DAAD in Seoul. »Vielleicht ändert sich das nun. Und vielleicht kommen dann auch mehr Studenten.«

 
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