DIE ZEIT: Herr Berz, Naturkatastrophen sind das tägliche Geschäft Ihrer Branche. Wie haben Sie auf die Bilder der Flut im Indischen Ozean reagiert?

Gerhard Berz: Mit zunehmender Erschütterung. Ich hörte schon recht früh davon, im Radio morgens um 7 Uhr. Es gehört zu meinem Leben, dass ich ständig an den Nachrichten hänge. Statistisch gesehen, erreichen uns jeden Tag drei bis fünf Katastrophenmeldungen. Aber in diesem Fall war schnell klar, dass sich im Indischen Ozean ein besonderes Desaster abspielt. Das ging mir auch deshalb unter die Haut, weil mein Nachfolger Peter Höppe zu diesem Zeitpunkt auf den Malediven war. Gott sei Dank ist ihm nichts passiert.

ZEIT: Haben Sie ein solches Unglück erwartet?

Berz: Dass dieses Gebiet stark erdbebengefährdet ist, weiß man. Aber dass es sich in den Touristenzentren so schlimm auswirkt, hat mich überrascht. Die malaysische Halbinsel war eigentlich nicht als Tsunami-Küste eingestuft, weil das Meer dort sehr flach ist und man davon ausging, dass die Wellen ausbranden. Leider geschah dieses gewaltige Erdbeben sehr nahe an der Küste.

ZEIT: War dies also der schlimmstmögliche Fall?

Berz: Nein. Der Abschnitt, der jetzt überflutet wurde, ist ein relativ dünn besiedeltes Gebiet. Weiter im Südosten, entlang des indonesischen Archipels, liegen Regionen, die extrem dicht besiedelt sind. Daran darf man gar nicht denken…

ZEIT: Sie haben im Lauf Ihres Arbeitslebens rund fünfzig Katastrophenorte besucht. Was unterscheidet den persönlichen Eindruck von Fernsehbildern?