Gott sei Dank gibt es Menschen, die sich trotz der Blindheit oder Gleichgültigkeit der anderen nicht davon abbringen lassen, jene auf die Schönheit des eigenen Metiers hinzuweisen. So komme ich gelegentlich in den Genuss von Episteln eines Herrn Wolfram Seibt, in denen der Altphilologe aus Lohne mir sehr beredt die Wunderwelt der Probleme näher zu bringen versucht. Wie schon öfter will ich ihm weitgehend das Wort geben.

"Die Siegfriedthematik hat auch Problemisten schon immer fasziniert, weil sich mit ihr witzige schwarze Verteidigungen konstruieren lassen. Entweder muss Weiß dann die berühmte Lindenblattstelle finden, den Siegfried also unter gleichzeitiger Pattaufhebung erstechen, oder dem Siegfried zum Trotz ohne Schlagen zum Matt kommen."

Zu dieser Thematik schickte er mir zwei Probleme zur Auswahl, davon eines des berühmten Problemkomponisten Werner Speckmann, der im "Nebenberuf" Präsident des Oberlandesgerichts in Hamm war und einmal sogar im Spiegel in der Klatschrubrik Personalien auftauchte. "Speckmann hatte in einer juristischen Fachzeitschrift eine Abhandlung in Druck gegeben und in den Anhang zu ihr ein paar selbst gebastelte Schachaufgaben hineingeschlenzt."

Nun aber gleich in medias res.

"Das nahe liegende Manöver 1.Sxg3+ Kg1 2.Tf6 nebst 3.Tf1 matt lässt der Läufer nicht zu, also muss er weggelenkt werden. Etwa mit 1.Ta6 (2.Ta1+)? O nein! Schwarz kann zwar mit dem Opferangebot 1…La3 das Matt nicht abwenden, denn der Turm verschmäht es, den Läufer zu schlagen (wie es ein Partiespieler vielleicht täte, aber dann würde es mehr als vier Züge dauern), doch kann Weiß das ursprünglich Beabsichtigte jetzt ungestört durchführen: 2.Sxg3+ Kg1 3.Tf6 nebst 4.Tf1 matt.

Wie aber wehrt sich Schwarz gegen 1.Ta6? Mit der Siegfriedstrategie! Die starke Verteidigung lautet: 1…Lf6!

Zunächst ist gar nicht sichtbar, dass Schwarz hier eine Siegfriedstrategie verfolgt. Man könnte protestierend bemerken, dass König und Bauer ja beweglich seien, wieso also sei der Läufer ein Siegfried? Aber nach 2.Sxg3+ Kg1 3.Txf6 patt (!) ist er es, gewissermaßen nachträglich, doch gewesen – im Moment seines Todes. Daraus ergibt sich der delikate Schlüsselzug…"

Tja, und den sollen jetzt Sie finden. Wie setzt Weiß in vier Zügen matt?

Helmut Pfleger

Auflösung aus Nr. 1:
Mit welcher Kombination setzte Weiß am Zug den schwarzen König in seiner höchst exponierten Lage in drei Zügen matt? Mit dem Läuferopfer 1.Lc4+! zwang Weiß den feindlichen König noch weiter ins eigene Lager. Nach 1…Kxc4 2.Db3+ blieb dem beklagenswerten Monarchen nur 2…Kd4, wonach 3.Dd3 matt der grausamen Königshatz ein Ende machte