werkstoffe Dichtung und WahrheitSeite 3/3

Und die Wissenschaft? Deutschland sei weltweit führend in der Dichtungstechnologie, meint der Experte. Doch selbst hier gebe es lediglich zwei namhafte Forschungszentren: Münster und Stuttgart. Öffentliche Mittel sind rar. Drittmittel ebenfalls, da die Branche überwiegend klein- bis mittelständisch geprägt ist. Dichtungstechniker sind bis heute fast ausschließlich Amateure, nur Stuttgart bildet Dichtungsingenieure aus. Und aus eigener Praxis weiß Tietze, wie schwer es ist, Mathematiker oder Physiker für die Grundlagenforschung zu gewinnen. Und die brauchte man, um endlich berechnen zu können, welches Dichtungsmaterial für einen bestimmten Anwendungszweck taugt. Bis heute gibt es ausschließlich – und nur für einige Bereiche – empirische Formeln.

Die Industrie setzt ihre eigenen Normen, die Politik übernimmt sie, und im Zweifel ist es billiger, für unerlaubte Emissionen eine Strafe zu bezahlen, als auf hochwertige Dichtungen umzurüsten. Was tun, Herr Tietze? »Ein Blauer Engel für Dichtungen, ein Umweltzertifikat, das wäre nicht verkehrt.« Große Mineralölfirmen, die an einem Ökoimage basteln, könnte dies überzeugen. Könnte sie möglicherweise veranlassen, auf Dichtungen zu setzen, die diesen Namen verdienen. Das würde auch Herrn Jung freuen, den Preisträger.

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