Die Regierung Myanmars, so der offizielle Name Birmas, beziffert die Zahl der Tsunami-Opfer auf 59 Tote. Ein Wunder, denn Birma liegt in unmittelbarer Nähe zum Epizentrum des Seebebens, das die Flutwelle auslöste und wahrscheinlich über 150.000 Menschen das Leben kostete. Ein Wunder, das allerdings von vielen Organisationen bisher in Zweifel gezogen wurde. Denn die Regierung in Rangun besteht aus einer Militärjunta, die kaum Informationen außer Landes lässt und sich stattdessen stets bemüht, nicht in das internationale Blickfeld zu geraten. Die Opposition, zu der die unter Hausarrest stehende Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi gehört, soll keine ausländische Unterstützung erhalten.

Das am stärksten betroffene Gebiet, das Irrawaddy-Delta, ist die Hochburg der Rebellen, die sich hauptsächlich aus ethnischen Minderheiten rekrutieren. Es ist die am schlechtesten versorgte Region des Landes, das ohnehin in der Rangliste der Gesundheitssysteme auf dem vorletzten Platz liegt. Doch die Hilfsorganisationen geben jetzt Entwarnung und bestätigen die amtlichen Zahlen. Die Flutwelle hat tatsächlich nur relativ geringen Schaden angerichtet. Das Welternährungsprogramm schätzt trotzdem, dass etwa 30.000 Menschen in Birma Unterkünfte, Nahrung, Trinkwasser und Medikamente benötigen.

Erster Hilfsflug

Das Deutsche Rote Kreuz hat am Drei-Königs-Tag den ersten Hilfsflug nach Rangun in Birma gesendet, um 12.500 Wolldecken in das Katastrophengebiet zu bringen. Die Organisation nutzt dabei ein gutes Netzwerk, das die Hilfe erst ermöglicht. Denn nur wenige internationale Hilfsorganisationen gelangen überhaupt in die Nähe der militärischen Sperrzonen.

Auch die Ärzte ohne Grenzen sind durch ihre Malariastationen vor Ort vertreten und haben jetzt zusätzlich einen Erkundungsdienst an die Südspitze Birmas geschickt, der die Schäden begutachten soll. Bisher konnte er noch keine besonders großen Schäden entdecken. Auf der Insel Lampi, auf der mehrere Hundert Menschen leben, wurde lediglich eine Brücke zerstört. Allerdings schränkt der Sprecher der deutschen Sektion, Stephan Große Rüschkamp, ein: "Wir haben keinen Überblick über ganz Myanmar. Wir wissen nur, wie es an den Stellen aussieht, an denen unsere Teams waren."

Ein Team der Schweizer Sektion gehört zum Erkundungsdienst und widerspricht den Gerüchten, denen zufolge es zahlreiche Todesopfer im Archipel Kawthoung gegeben haben soll. Außerdem nahm es per Funk Kontakt zu den Fischern auf den entlegenen Inseln des Myeik-Archipels auf, die ebenso wenig von starken Auswirkungen der Flutwelle berichteten. Unklar ist die Lage lediglich auf den südlichen Inseln, die das Team aus militärischen Gründen nicht betreten durfte.