Das Thema ist pikant und geht streng genommen jeden Vater in Deutschland an: Das geplante Verbot heimlicher Vaterschaftstests. Geht es nach Justizministerin Brigitte Zypries, drohen Vätern, die künftig ohne Wissen der Mutter die Herkunft ihres vermeintlichen Nachwuchses prüfen lassen, Haftstrafen. In Deutschland sind nach Schätzungen der „Ärztezeitung“ zwischen fünf und zehn Prozent der Neugeborenen eines Jahrgangs echte „Kuckuckskinder“, 35.000 bis 70.000 Babys jährlich. Zweifel dürfen also erlaubt sein, sowohl innerhalb einer Ehe, als auch in einer vergleichsweise losen Beziehungskiste, wenn der gut verdienende Freund nach dem Ende derselbigen plötzlich zum „Zahl-Papi" für Mutter und Kind wird.Wie sich Frau Zypries das Recht deutscher Väter auf Gewissheit vorstellt, erläuterte sie im Brigitte-Interview: „Wenn ein Mann Zweifel an seiner Vaterschaft hat, soll er mit der Frau darüber reden. Macht er den Vaterschaftstest, ohne dass die Frau einwilligt, ist dies künftig strafbar. Dies wird Teil des neuen Gendiagnostikgesetzes sein.“ Väterforen im Internet und Interessenverbände, aber auch Politiker jeglicher Couleur reagieren ablehnend und vermissen die einst so wohltuend pragmatische Weltanschauung der sozialdemokratischen Ministerin.Was bewirkt der Gesetzesentwurf? Wenn Papa künftig heimlich besabberte Schnuller klaut und ein Haar aus der Babybürste zusammen mit einer Speichelprobe von sich an ein Genlabor schickt, um herauszubekommen, ob er wirklich der Erzeuger des kleinen Wonneproppens ist, macht er sich strafbar. Und das Labor gleich mit. Und damit Papa seine Proben nicht einfach ins europäische Ausland versendet, soll das Verbot heimlicher Vaterschaftstests künftig auch auf Europa ausgeweitet werden.Wenn es nach dem Willen der Justizministerin geht, muss Mama solchen Tests künftig zustimmen. Für Zypries innerhalb einer vermeintlich intakten Partnerschaft kein Problem: „Was bedeutet das, wenn Männer den Frauen so massiv misstrauen? Trägt die Beziehung dann andere Belastungen?“Die Situation ist dann folgende: Papa erzählt Mama ganz unverfänglich beim gemeinsamen Abendessen, dass er sich nicht ganz sicher ist, ob der kleine Knirps mit den dunkelbraunen Knopfaugen wirklich sein Sohn ist und dass er deshalb gerne einen Vaterschaftstest machen würde. Und Mama entgegnet mit einem souveränen Lächeln: „Aber sicher mein Schatz, ich kann verstehen, dass du dir ganz sicher sein willst und werte das nicht als Misstrauen mir gegenüber.“ Danach besprechen die beiden dann, ob der Filius nun zum Fußball oder eher zum Hockeykurs angemeldet werden soll.Sollte Mama sich aber in ihrer Ehre gekränkt fühlen und den offen ausgesprochenen Vorwurf der Untreue nicht so gefasst hinnehmen, muss Papa eben vor Gericht einen Vaterschaftsnachweis erwirken. Ist das dann die von Ministerin Zypries gemeinte Belastung einer Beziehung, die eine Partnerschaft tragen sollte?Mit den Plänen der Ministerin, die das informationelle Grundrecht von Mutter und Kind auf Selbstbestimmung schützen soll, wird ein hoch privater Bereich in die Öffentlichkeit gezerrt, aus einem Verdacht wird ein offen ausgesprochener Vorwurf und das Vertrauensverhältnis zwischen den Eltern dürfte in den meisten Fällen einen sehr empfindlichen Knacks erleiden – noch bevor geklärt ist, ob der Verdacht überhaupt Bestand hat.Bisher ist ein heimlicher Vaterschaftstest halb legal, es hängt vom jeweiligen Gericht ab, ob dieses Verfahren zulässig - und damit rechtsgültig - ist oder nicht. Nach Entscheidung eines Münchner Gerichts aus dem Jahr 2003 (Az. 17HK 0 344/03) sind heimliche Vaterschaftstests erlaubt, da sie möglicherweise weniger in das Kindes- und Familienwohl eingreifen als ein umfassender Prozess. In der Regel sind vor Gericht allerdings nur Tests verwertbar, für die in Anwesenheit eines unabhängigen Zeugen, beispielsweise des Hausarztes, Blutproben von Eltern und Kind entnommen wurden.Ob Seitensprung oder One-night-stand – im Gegensatz zur Mutter des Kindes kann der Vater nur sehr selten ausschließen, dass unter keinen Umständen ein anderer Vater als er selbst in Frage kommt. Auch wenn sich Ministerin Zypries darüber mokiert, dass sogar in U-Bahnen Werbung für Vaterschaftstests gemacht wird – lediglich aus einer Laune heraus werden wohl nur wenige Männer knapp 700 € für einen Test bei einem seriösen Labor ausgeben.Die Annahme des Kindes durch den Vater setzt Vertrauen in die Partnerin und Mutter des Kindes voraus, ist dieses Vertrauensverhältnis gestört, kann ein Test Auskunft geben. Doch mit der Gesetzesinitiative wird dem Mann, der nach der Geburt des Kindes durch eine formale Erklärung die Vaterschaft annimmt oder bei Eheleuten automatisch als Vater eingetragen wird, kein Zweifel mehr zugestanden. Und die Möglichkeit, diesen Zweifel diskret überprüfen zu lassen, genommen.Die bisherige Praxis ist diskreter: Abstriche aus der Mundschleimhaut von Vater und Kind (oder ersatzweise Utensilien, an denen noch DNA des Kindes haften) werden an das Labor geschickt. Dort werden im nächsten Schritt bestimmte Teile der in jeder Zelle vorhandenen Moleküle, der DNA, auf den Grad der Übereinstimmung getestet. Dies geschieht mittels der Polymerase-Kettenreaktion (PCR), einem Routine-Verfahren der molekularen Biologie und der Kriminalistik. Dabei werden 16 bis 25 Genorte (so genannte loci) auf Übereinstimmungen untersucht. Knapp drei Tage später liegt das zu über 99% sichere Ergebnis vor. Ein Ergebnis, dass sich übrigens nur zum Identitätsabgleich, nicht aber für phänotypische Aussagen über eine Person verwenden lässt und somit kein Gentest ist. Dann bleibt es dem Vater überlassen zu entscheiden, wie er mit dem Testergebnis – sofern es ihn nicht als Vater ausweist – umgehen möchte und ob er die Mutter mit der Erkenntnis konfrontiert, nicht nur betrogen, sondern auch belogen worden zu sein.