Solche Schlagzeilen garantieren Empörung: Statt neuer Lehrer arbeitslose Hilfskräfte, Bald Billigjobs in Kitas. Seit Anfang dieses Jahres müssen Arbeitslose auch Ein-Euro-Jobs annehmen. 600 000 solcher Stellen plant Wirtschaftsminister Wolfgang Clement. Sie dürfen keine regulären Arbeitsplätze bedrohen, sondern müssen gemeinnützig sein. Da drängen sich Schulen und Kindergärten geradezu auf. Denn womit kann man der Gesellschaft sinnvoller dienen, als Lehrern und Erzieherinnen bei ihrer Arbeit zu helfen?

Lehrerverbände sehen das ganz anders und protestieren gegen das Bildungsdumping. Im Park Laub harken, das Frühstück für Obdachlose verteilen und im Altenheim Halma spielen, das gehe noch an. Aber an unsere Kinder dürfe man nur hoch qualifizierte Kräfte lassen, am besten gut bezahlte Akademiker.

Unsere Schulen brauchen zusätzliche und besser ausgebildete Lehrer. Das stimmt. Auch ist es ein Skandal, dass es selbst für die Leitung eines Kindergartens noch immer keine reguläre Hochschulausbildung gibt. Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder, der einem Grundschüler bei den Hausaufgaben hilft, ein staatsexaminierter Beamter auf einer A 13-Stelle sein muss. Auch für die Essensverteilung an Dreijährige braucht es keinen Bachelor of Kita-Cooking. Im Gegenteil, die weitgehende Gleichheit in Bezahlung und Ausbildung ihres Personals macht die deutschen Bildungseinrichtungen langsam, wenn es gilt, auf Veränderungen zu reagieren. Zudem verhindert die verordnete Egalität eine intensivere Betreuung von Kindern und Jugendlichen.

Es wäre nichts dagegen einzuwenden, dass ein ausgezeichneter Schulleiter an einer Brennpunktschule doppelt so viel wie ein normaler Lehrer verdient.

Ebenso wenig ist es verwerflich, wenn angelernte Hilfskräfte auf Ein-Euro-Basis in einer Ganztagsschule Fußbälle verteilen oder im Kindergarten Kastanienmännchen basteln. Sie würden die Pädagogen für wichtigere Aufgaben freistellen. Und vielleicht findet man auch Lehrer, die froh sind, wenn ein arbeitsloser Sozialpädagoge ihnen im Unterricht zur Seite steht.

Niederländische oder englische Schulen und Kindergärten haben mit den vom Staat vermittelten Helfern gute Erfahrungen gemacht. Sie stammen häufig aus dem Umfeld der Schule, haben mitunter eigene Kinder in einer der Klassen und verbessern so den Kontakt zwischen Pädagogen und Eltern. Gerade in sozial schwierigen Vierteln mit vielen Migranten hat sich dies bewährt. Auch die Hilfskräfte profitieren von der Beschäftigung: durch den kleinen Zuverdienst, die Anerkennung. Und mitunter dient der Minijob als Brücke in eine reguläre Arbeit.

Gewiss lockt die Versuchung, Lehrerstellen durch Billigjobs zu ersetzen.