Der europäische Flugzeugbauer Airbus hat in Toulouse sein neustes Prestige-Objekt vorgestellt: Den A380, das größte Passagierflugzeug der Welt. Ab 2006 soll es im Flugverkehr eingesetzt werden und damit nicht nur den Jumbojet 747 nach fast vier Jahrzehnten ablösen. Auch der amerikanische Hersteller Boeing soll durch das von der EU subventionierte Produkt endgültig auf Platz 2 im Weltmarkt verdrängt werden. Boeing sieht bessere und gesicherte Gewinnchancen im Rüstungsmarkt.Die europäischen Spitzenpolitiker feiern dies wie den Sieg über einen Erzrivalen: "Das ist ein heiß umkämpfter Markt, und dass ein europäisches Unternehmen hier zum Weltmarktführer aufsteigt, sowohl technologisch als auch wirtschaftlich, das zeigt, dass wir Europäer keinen Grund haben, unsere Fähigkeiten zu unterschätzen", sagte EU-Industriekommissar Günter Verheugen in einem Fernsehinterview. Der Airbus 380 zeige, "dass Europa alles kann, wenn es wirklich will".Bei den Feierlichkeiten sprachen die Staats- und Regierungschefs der Airbus-Staaten Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien. Es ist "ein großer Tag für Europa", sagte Bundeskanzler Schröder , der "europäische Industriegeschichte schreiben" soll. Denn das Vorhaben sei "in der Tradition des guten alten Europas" verwirklicht worden, zu der die soziale Teilhabe und die Bereitschaft zum Miteinander gehörten. Sein spanischer Amtskollege José Luis Zapatero sagte: "Wir sollten auch den USA gegenüber stolz darauf sein, was wir können." Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac sagte, der A380 werde als "Kreuzfahrtschiff der Lüfte" ebenso Geschichte schreiben wie früher der Überschalljet Concorde.Wirtschaftliche Bedeutung Englands Premier Tony Blair verwies auf den wirtschaftlichen Schub, der mit dem A380 verbunden ist. 40.000 neue Arbeitsstellen werden in den vier Airbus-Ländern und bei den über 100 Zulieferern aus der ganzen Welt erwartet. Inwieweit das größte Flugzeug der Welt aber zu einem wirtschaftlichen Erfolg wird, ist noch umstritten. Nach den Marktprognosen von Airbus werden die großen Drehkreuze der Welt gegenüber den dezentralen Strecken an Bedeutung gewinnen. Flugzeuge mit mehr Plätzen würden damit für die Airlines größere Gewinne einfahren . Die Zahl der bestellten Flugzeuge stimmt den Erbauer bereits positiv. Bis zum Einsatz der Maschinen ist es aber noch ein weiter Weg: Der Jungfernflug soll Anfang April stattfinden. Außerdem wird das Flugzeug noch verschiedenen Ermüdungstest unterzogen, bevor schließlich der erste A380 für die Singapore Airlines Mitte 2006 an den Start gehen soll . Christian Kuettler (mit dpa, afp, ap) für ZEIT.de