Immer langsam also. Das Parlament hat in seinen ersten zwei Jahren weniger Gesetze verabschiedet, als man von ihm erwarten könnte, vor allem keine selbst verfassten. Dafür wurde viel diskutiert – offen, laut, kontrovers. Eine aktuelle Stunde zu Fragen der Verteidigung gibt dafür ein Beispiel. Da stritten die Parlamentarier über die Frage: Stärkt es die Kampfkraft des bahrainischen Heeres, wenn allen Soldaten das Tragen eines Vollbartes befohlen wird? Unbedingt, meinten die islamistischen und konservativen Parteien. Unfug!, riefen die säkularen Fraktionen, unter ihnen auch der junge Abgeordnete Abdulnabi Salman. Obgleich die Religiösen eine knappe Mehrheit haben, kam keine Entscheidung zustande.

Adel al-Maauda lässt sich nicht entmutigen und verfolgt unverdrossen die brennenden Kleidungsfragen im Königreich. Frauen dürfen bekanntlich Auto fahren, doch ist es ihnen verboten, sich dabei das Gesicht zu bedecken: Verkehrssicherheit vor Tradition. "Eine unerträgliche Beschränkung der Freiheit der Frau", findet Adel al-Maauda. Mit gleichgesinnten Abgeordneten regte er im Parlament eine Diskussion darüber an, ob Frauen auch komplett verhüllt am Steuer sitzen dürfen. Eine Debatte ohne Frauen übrigens, denn weibliche Kandidaten fielen bei den Wahlen durch. Am Ende erlaubte der König die Kopfverhüllung im Auto per Dekret. Den Anstoß dazu gab das Parlament. Gesetze prägt es noch nicht, aber Diskussionen. Daraus schöpfen die Abgeordneten Selbstbewusstsein.

Versuch 2: Die freie Rede. "Im Parlament wird viel geschwätzt", sagt der Journalist Mansur al-Dschamri, "aber immerhin frei geschwätzt." Vor wenigen Jahren noch sei das alles undenkbar gewesen. Da war Mansur als Mitglied der bahrainischen Befreiungsbewegung im Exil. Erst als der Polizeistaat abrüstete, kehrte er zurück.

Unvorstellbar war damals auch seine Zeitung al-Wasat, die er heute, mit zwei Mobiltelefonen im Anschlag, führt. "Wir machen reichlich Gewinn, das erhöht unsere Unabhängigkeit", sagt Mansur al-Dschamri. Die frisch gekalkten Wände ziert ein Plakat mit dem Einmaleins der Nachrichten: Wer? Was? Wo? Warum? Die Redakteure sind noch jung. Sie sitzen durcheinander, Frauen mit Kopftuch, Frauen ohne Kopftuch, Männer mit Schnauzbart und Männer ohne Schnauzer dazwischen. In den Nachbarländern wäre das unerhört, in Bahrain ist das ganz normal. Mit der Frage "Was darf ich nicht?" beschäftigen sich sie nicht.

Das ist Chefredakteurssache. "Wir können fast alles schreiben, was wir wollen", sagt Mansur. Fast alles? Den König und seinen Onkel, der nicht zufällig Premierminister ist, möchte kein Journalist offen attackieren. Man kritisiert an ihrer statt die Regierung, die Minister, die austauschbar sind. Wer doch am Premier herumkrittelt, kann Schwierigkeiten bekommen.

Der Menschenrechtsaktivist Abdelhadi al-Chauadscha tat es. Er hatte den Premier öffentlich gescholten und obendrein erklärt, er bete für dessen Tod. Dafür kam er in Untersuchungshaft. "Manche meinten, er sei ein politischer Gefangener", sagt Mansur. Der erste seit dem Ende der Diktatur. Alle Zeitungen schrieben über den Fall, es gab Demonstrationen, Aufruhr, Straßenblockaden. "Chauadscha hat zum Hass aufgerufen", sagt Mansur unbeirrt. "Seine Inhaftierung war rechtens." Aber andere fürchteten um die Freiheit in der jungen Demokratie. Der Staat reagierte schließlich streng und nachsichtig zugleich – Gewaltenteilung gewissermaßen: Die Richter entschieden auf ein Jahr Haft, der König aber begnadigte Chauadscha noch am selben Tag.