"Eine bahrainische Lösung", sagt Mansur. "Leidenschaftlich lauwarm, immer auf der Suche nach dem Kompromiss."

Versuch 3: Frauenrechte. Munira al-Fahroo schickt ihren Hausangestellten mit der großen Kanne in die Küche zurück. "Tee muss brühend heiß sein", sagt die Soziologieprofessorin. So viel kategorische Eindeutigkeit gönnt sie sich nur zu Hause. In der Politik verschwimmen die Dinge. Munira hat lange Zeit im Obersten Rat für Frauen gesessen, der König und Parlament berät. Man sprach über das neue Familienrecht.

"Demokratie hin oder her – wir haben die gleichen Probleme wie viele arabische Staaten", sagt Munira. Fürs Heiraten ist per Gesetz niemand zu jung, was konservative Eltern nutzen, um ihre Mädchen minderjährig unter die Haube zu bringen. Frauen können ihre Staatsbürgerschaft nicht an ihre Kinder weitergeben, weshalb Jugendliche geschiedener Ehen oft staatenlos sind. Nach einer Scheidung hätten Frauen keine Unterhaltsansprüche, sagt Munira. "Das alles wollen wir verändern."

Andere nicht. Adel al-Maauda und religiöse Alliierte sabotieren das neue Familienrecht im Parlament, wo sie nur können. Draußen macht die bahrainische Apo mobil: Ein schiitischer Mullah sammelt Unterschriften gegen das Gesetz. "Im Parlament können Frauen ihre Sicht nicht erklären, weil sie gar nicht vertreten sind", sagt Munira. Die weiblichen Kandidaten konnten sich in der Wahl 2002 gegen die Männer nicht durchsetzen, andere schlossen sich dem Boykott an, auch Munira. Ein Fehler? "Vielleicht." Nächstes Mal will sie dabei sein, doch wird sie sich auf Konkurrenz einstellen müssen. Dann wollen auch die Islamisten Frauen aufstellen – um Frauenstimmen einzusammeln.

"Chancen hätten sie", sagt Munira. "Wenn ich mit meinen Studenten die Gesellschaften muslimischer Länder untersuche, etwa die der Türkei, sagen viele: ›Die haben keinen richtigen Islam.‹" Vor allem die jungen Studentinnen tragen ein Kopftuch oder gleich die Abaja. "Sie lehnen alles ab, was ich lehre", sagt Munira, "sie glauben lieber dem Imam bei der Freitagspredigt." Da hören sie dann, dass Koedukation in Bahrains Schulen von Übel sei, noch unheilvoller aber sei der Alkohol, der in Bahrain an allen Ecken ausgeschenkt wird, die Discos seien das Schlimmste. "Unsere Demokratie mag voranschreiten", sagt Munira, "aber mit ihr läuft die Islamisierung."

Was heißt das für das Familienrecht? "Eine umfassende Reform kommt nicht durchs Parlament", glaubt Munira. Die Taktik könnte nun sein, Einzelgesetze durchzupauken. "Am besten aber wäre es, der König würde das ganze Paket einfach verordnen." Modernisierung per Dekret? Munira sagt: "Er hat schon die freien Wahlen eingeführt, nun soll er sein Werk vollenden."