Ein-Euro-Jobber überall? Bekommen wir bald in Fernsehbildern aus Thailand oder Sri Lanka deutsche Arbeitslose zu sehen, die zwischen einigen unverdrossenen Touristen und engagierten Rotkreuzhelfern den Strand aufräumen? Schickt uns zu Hause der Malermeister künftig Ein-Euro-Gehilfen, wenn wir jemanden zur Renovierung brauchen? Begegnen sie uns morgen als Tütenpacker im Supermarkt, als Platzanweiser im Kino - oder schlicht als neue Kollegen auf dem Büroflur? Nichts scheint undenkbar.

Das neue Hartz-Jahr hat gerade erst begonnen, da hagelt es schon Vorschläge, wie die Reform zu reformieren sei. Im Mittelpunkt stehen die Ein-Euro-Jobs, im Fachjargon Arbeitsgelegenheiten genannt. Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, schlägt vor, solche Stellen nicht nur für gemeinnützige Zwecke zu schaffen, sondern auch in der privaten Wirtschaft. Die Arbeitsagenturen (früher: Arbeitsämter) sollen ihre Kunden (früher: Arbeitslose) als Ein-Euro-Kräfte an Unternehmen verleihen, gegen eine geringe Gebühr (früher: Lohn).

Der durchaus ernst gemeinte Vorschlag hat einen durchaus vernünftigen Hintergrund: Wenn Erwerbslose nur in sorgfältig vom normalen Arbeitsmarkt abgeschirmten Bereichen tätig werden, wie es bei Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen üblich war und wie es jetzt auch bei den Ein-Euro-Jobs gilt, dann sind die Chancen gering, von dort in den ersten - den echten - Arbeitsmarkt hinüberzurutschen. Der Vorleser im Altenheim oder die Canasta-Trainerin im Nachbarschaftszentrum kommen mit normal bezahlten Stellen gar nicht in Berührung und können sich kaum bei potenziellen Arbeitgebern bewähren. Das gilt übrigens auch, wenn man Arbeitslose als Ein-Euro-Jobber zur Fluthilfe entsendet, wie es einzelne Oppositionspolitiker jetzt vorschlagen.

Insofern wäre eine Beschäftigung in der freien Wirtschaft viel sinnvoller.

Nur: Wenn der Staat massenweise subventionierte Billigkräfte in die Firmen schickt, besteht die Gefahr, dass diese dafür reguläre Stellen streichen. Die Ein-Euro-Jobs verschärften dann das Arbeitslosenproblem, das sie bekämpfen sollen. Deshalb kann eine flächendeckende Ausbreitung der Arbeitsgelegenheiten keine Lösung sein.

Ein-Euro-Jobs sind ohnehin nicht das Patentrezept gegen Arbeitslosigkeit. Sie können die Arbeitswilligkeit von Leistungsempfängern testen. Sie können Arbeitslosen, die kurz vor der Rente stehen, vorübergehend eine gesellschaftlich sinnvolle Beschäftigung bieten. Und in manchen Fällen können sie Langzeit-Arbeitslose wieder schrittweise an einen geregelten Tagesablauf heranführen. Für all diese Aufgaben müssen Ein-Euro-Jobs nicht auf dem ersten Arbeitsmarkt angesiedelt sein.

Wenn es aber darum geht, Arbeitslose wieder dauerhaft in reguläre Beschäftigung zu bringen, in richtige Jobs, sind andere Instrumente geeigneter: Angefangen von den Personal-Service-Agenturen, die Arbeitslose an Unternehmen entleihen, bis zu diversen Lohnzuschüssen und dem Einstiegsgeld, mit denen die Rückkehr in Beschäftigung im Einzelfall gefördert werden kann. Im Einzelfall, wohlgemerkt.