Alles kehrt in einer neuen Fassung wieder", sagt Clive Owen in der neuen Theateradaption von Mike Nichols einmal. Der Satz scheint nicht nur auf einen Text gemünzt zu sein, der Muster der Paarbildung und Trennung, der Liebesgeständnisse und fatalen Enthüllungen bedrückend präzise variiert. Er trifft vielmehr auch den Stil des Films selbst, der bis in die visuellen Details hinein seltsam "retro" wirkt. Mit der Ausstattung – wahlweise gehobener Landhausstil oder kalter Designerschick – und dem verhaltenen Glamour der Lichtgebung könnte Hautnah auch in den achtziger Jahren entstanden sein.

Das hat eine gewisse innere Logik. Der Theaterautor Patrick Marber ist 1964 geboren, und sein preisgekröntes Drama Closer wurde Ende der Neunziger in London uraufgeführt. Dazwischen liegt die Ära der Yuppies und des neuen Hedonismus, ein Jahrzehnt, in dem das Versprechen auf erotische Selbstentfaltung in ein gehobenes Konsumentenverhalten umgeschlagen ist und das romantische Ideal endgültig zu einer Art must have der Saison herabsank. In Hautnah entfaltet sich diese moderne Beziehungsökonomie in einer elliptischen Struktur, die mit Bedacht den Alltag ausspart. Wir sehen immer nur den Anfang und das Ende einer Partnerschaft; die Figuren sind stets im Aufbruch – als ob die Höhen und Tiefen eines geteilten Lebens nichts wert wären. Und als ob jeder das Gefühl hätte, mehr zu verdienen, als er gerade haben kann.

Nicht dass sie wirklich wüssten, was sie wollten. In der atmosphärischen Eingangssequenz verliebt der Journalist Dan (Jude Law) sich auf der Straße Hals über Kopf in die Stripperin Alice (Natalie Portman), eine sinnliche Naive, ein fleischgewordener Männertraum. Doch mit der Hoffnung auf beruflichen Aufstieg wird Dan unruhig – und beginnt eine Affäre mit der Fotografin Anna (Julia Roberts). Die bereits geschiedene Frau, die zunächst eine gewisse postfeministische Abgeklärtheit an den Tag legt, lässt sich ihrerseits durch ein von Dan via Internet initiiertes Blind Date mit dem Dermatologen Larry (Clive Owen) verlinken. Er ist die letzte Karte in diesem sexualisierten Quartett, ein dubioser Herzkönig und derjenige, der im folgenden Stellungskrieg die Oberhand behält. Zunächst einmal durch seine Profession – der "Hautarzt" gehört allerdings zu den kalauerhaften Einfällen des Stücks –, aber auch als gewieftester Anwender des herrschenden Diskurses: des Sex-Talk und der strategischen Veröffentlichung des Intimen.

Der Regisseur Mike Nichols ist ebenso erfahren in der Verhandlung von Beziehungsthemen wie in der Bearbeitung von Bühnentexten – von seinen frühen Kinoproduktionen Wer hat Angst vor Virgina Woolf? und Die Kunst zu lieben (Carnal Knowledge) über seinen jüngsten TV-Erfolg mit Angels in America zieht sich die Spur zum aktuellen Film. Hautnah ist denn auch von einer bestechenden handwerklichen Virtuosität: in der unaufdringlichen Auflösung des Bühnenraums, dem pointierten Einsatz der szenenbezogenen Musik und nicht zuletzt im Umgang mit seinen Stars, die allesamt in imagefernen Rollen überraschen. Diese Könnerschaft entfaltet einen Sog, der über den manchmal salontheaterhaften Charakter des Skripts hinwegträgt. Bis das Gefühl der Leere, das sich über einem zu geschliffenen Aperçu oder zu erlesenen Accessoire einstellt, nicht mehr als Produkt der Inszenierung, sondern als das ihres Gegenstands erscheint: einer Welt, in der nicht nur die Ausschweifung, sondern auch die Sehnsucht und die Enttäuschung kalkulierbar geworden sind.

Mit diesem verheerenden Sinn für Ordnung kehrt der Film am Ende zu seinem Ausgangspunkt zurück: Alice auf der Straße, in einer anderen Stadt, in einem anderen Look, verfolgt von den Blicken der Männer. Noch schöner als am Anfang, ist sie zugleich eine Davongekommene und die Einladung zu einem neuen Spiel: eine weibliche Ware, die flüstert: "Komm näher."