Keine Probleme, nur Herausforderungen" kennt Stephan Kohler, Geschäftsführer der Deutschen Energieagentur (dena). Davon hat das Kompetenzzentrum für Energieeffizienz und Erneuerbare Energien, im Jahr 2000 von der Bundesregierung und der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ins Leben gerufen, derzeit eine ganze Menge zu bewältigen.

Für Wirbel sorgt eine bislang unveröffentlichte Studie, von der die Zukunft der Windbranche abhängt. Moderiert von einem dena-Team, grübeln Windmühlenbetreiber, Netzmonopolisten, Anlagenbauer und Wissenschaftler seit Monaten darüber, wie und zu welchen Kosten das hiesige Stromnetz ausgebaut werden muss, um künftig gewaltige Energiemengen aus Windparks auf dem Meer ins Landesinnere zu transportieren. Jetzt, nach zwei Jahren Arbeit und 700000 Euro Ausgaben, fühlen sich Windbranche und Anlagenbauer über den Tisch gezogen. "Nicht tragbar" sei das Ergebnis, sagt der Windenergielobbyist Ralf Bischof, weil es vor allem den Interessen der Netzmonopolisten entspreche. Der dena sei "die Moderation aus der Hand geglitten", kritisiert Bischof, dessen Branche eine eigene Studie nicht mehr für ausgeschlossen hält.

Ungünstiger könnte die Kritik an dem Prestigeprojekt kaum kommen. Kohlers Agentur steckt mitten in einer Umstrukturierung. Bund und KfW reduzieren ihre Beteiligungen, um weitere Aktionäre – und damit auch frisches Geld – zu gewinnen. Laut Beschluss des Aufsichtsrats vom 10. November 2004, sagt Stephan Kohler, halte die Bundesregierung demnächst nur noch 35 Prozent statt bisher 50 Prozent, die KfW werde ihren ebenfalls 50-prozentigen Anteil sogar auf 15 Prozent reduzieren. Der Ausstieg erfolge "planmäßig", sagt eine KfW-Sprecherin. Die Förderbank des Bundes habe sich nur als "Platzhalter zur Anschubfinanzierung" verstanden: "Beteiligungen sind nicht unser Hauptgeschäft." Die vakanten 50 Prozent an der nationalen Energieagentur sollen bis Ende Februar für 1,4 Millionen Euro an finanzkräftige Unternehmen verkauft werden. Die Beteiligung der Wirtschaft stabilisiere das Geschäft, sagt Kohler. Für je 100000 Euro ist ein Teil eines politischen Strategiepostens zu haben.

Der Bund will seine Anteile verkaufen – und keiner will sie haben

Die Agentur, das energiepolitische Aushängeschild von Rot-Grün, soll eigentlich dafür sorgen, dass Energie effizient gewonnen und verbraucht wird sowie Strom und Sprit zunehmend aus Wind, Sonne, Biomasse und Erdwärme erzeugt werden. Handlungsfähig ist das Team um den agilen Geschäftsführer Kohler jedoch nur dann, wenn es die Interessen dreier gewichtiger Bundesministerien, die im Aufsichtsrat sitzenden Ressorts für Wirtschaft, Umwelt und Verkehr, vereinen und darüber hinaus die Kofinanzierung seiner Projekte durch Dritte sichern kann. Die Gelder, nicht selten sechsstellige Euro-Beträge, investieren Unternehmen oder Verbände, die damit ihr Image ein wenig polieren, dem Aufsichtsratsvorsitzenden Wolfgang Clement einen Gefallen tun, vor allem aber ihre Interessen wahren wollen. Eingezwängt in das Korsett politischer und finanzieller Abhängigkeiten, darf die Arbeit der dena folglich nicht zu ernsthaftem Streit führen. Weder innerhalb der Bundesregierung noch zwischen Regierung und Sponsoren – beispielsweise über die Offenlegung der Herkunft des Stromes oder des Spritverbrauchs von Fahrzeugen.

Diese Zwitterstellung schwächt. Sie führt zwangsläufig zu zähen Kompromissen – und unzufriedenen Geldgebern. Das Interesse, Anteile der dena-Beteiligungsgesellschaft zu kaufen, ist quer durch die Branchen begrenzt. Abgelehnt haben neben anderen Unternehmen drei der vier großen Energiekonzerne, die dem Vorwurf entgehen wollen, durch die Nähe zur Bundesregierung Vorteile zu erschleichen. Auch die finanzkräftigen Interessenverbände der Stromwirtschaft, VDEW und VRE, ziehen sich zurück. Ende 2004 beendeten sie gemeinsam mit mehr als 500 städtischen Versorgern ihr Engagement an der Kampagne "Initiative EnergieEffizienz". Zwei Jahre lang hatte die dena mit Anzeigen, Plakaten, in Internet und Einzelhandel Tipps zur effizienten Energienutzung und zum Energiesparen verbreitet. Knapp zwei Drittel des 13-Millionen-Euro-Budgets steuerte die Elektrizitätswirtschaft bei – die eigentlich vom Verkauf des edlen Saftes lebt. Nach ihrem Ausstieg ist die Zukunft der Kampagne offen.

Selbst Umweltverbände versagen bereits die Unterstützung

Auch vermeintlich Gleichgesinnte gehen andere Wege. Einige Umweltverbände sind gar dabei, sich zu Konkurrenten der obersten Effizienzagentur zu entwickeln: Sie planen eine eigene Kampagne. Zwar versichert die Deutsche Umwelthilfe in einem internen Strategiepapier: "Die dena ist nicht unser Gegner." Dennoch verfolgen die Öko-Freaks eine eigene Strategie. Um die zähe Einigkeit aufzulösen, die Laien und Kundige beim Thema Energieeffizienz verbindet, in den vergangenen Jahren aber nicht zu messbaren Einsparerfolgen führte, wollen die Umweltverbände gezielt Streit entfachen – und eine "Effizienzrevolution" auslösen.