Als Iran im vergangenen Monat endlich den Europäern zusagte, sein Atomprogramm zu unterbrechen – im Austausch gegen die Aussicht auf technische, wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit–, reagierte Washington lediglich mit eiskalter Skepsis. Die interessante Frage ist jedoch nicht, ob man Teheran trauen kann – was nicht der Fall ist –, sondern ob es gelingt, Iran davon zu überzeugen, lieber auf Atomwaffen zu verzichten, anstatt sie zu bauen.

Washingtons derzeitige Politik, dem europäischen Vorstoß die Unterstützung zu verweigern – ohne gleichzeitig Alternativen anzubieten –, führt jedenfalls zu nichts. Schlimmer noch, die Weigerung, sich mit den Europäern zusammenzutun, weil ihr Vorgehen keinen Erfolg verspreche, birgt die Gefahr, zur Selffulfilling Prophecy zu werden: Die Diplomatie könnte tatsächlich scheitern, größtenteils aber deshalb, weil Amerika ihr die Unterstützung versagt.

Mehrere Gründe sprechen dafür, einen gemeinsamen, europäisch-amerikanischen Katalog von Anreizen und abschreckenden Maßnahmen vorzulegen, der Teheran davon überzeugen könnte, ein nachprüfbares Ende seines Atomwaffenprogramms zu akzeptieren. Ein atomar gerüsteter Iran würde für den Mittleren Osten und die Welt eine Katastrophe bedeuten. Er hätte freie Hand, eine aggressivere Außenpolitik als jetzt zu betreiben – einschließlich der Unterstützung des Terrorismus –, gegen die der Westen nur schwerlich etwas unternehmen könnte. Zudem dürfte die Hinnahme eines atomar gerüsteten Irans die Verbreitung von Nuklearwaffen im gesamten Mittleren Osten beschleunigen. Eine iranische Bombe könnte viele Nachbarländer– Saudi-Arabien, die Türkei, eventuell den Irak– dazu verleiten, sich eigene Nuklearwaffen zuzulegen.

Die amerikanischen Vorwürfe, die Europäer versuchten mit Iran ins Gespräch zu kommen, weil sie diesen Gefahren gleichgültig gegenüberstünden, sind unberechtigt. Im Gegenteil, die Europäer sind aktiv, weil sie davon überzeugt sind, dass Teheran Kernwaffen will und eine Atommacht Iran den Mittleren Osten destabilisieren könnte.

Die Achillesferse des theokratischen Regimes ist die stagnierende Wirtschaft. Die Iraner wissen, dass sie in hohem Maße auf den Außenhandel und Investitionen aus dem Ausland angewiesen sind, und viele meinen, dass dies höhere Priorität habe, als Atomwaffen zu beschaffen. Der europäische Vorschlag ist insofern ein erster (und insofern unzureichender) Schritt, Iran davon zu überzeugen, dass seine wirtschaftliche Zukunft von der Bereitschaft abhängt, seine Atomwaffenpläne aufzugeben.

Allerdings müssen Amerika und Europa zusammenarbeiten, weil dieses Ziel von Europa allein nicht erreicht werden kann. Um die Wirkungskraft des westlichen Vorstoßes zu verstärken, sollten sich die Vereinigten Staaten bereit erklären, ein paar Köder beizusteuern – und Europa sollte einwilligen, mehr Druck auszuüben.

Als ehemalige Regierungsbeamte, die mit europäischer und iranischer Politik befasst waren, ist uns schmerzlich bewusst, dass die Erfolgsbilanz der europäischen Taktik, hart über Iran zu reden, aber nichts zu unternehmen, ausgesprochen schlecht ist. Aber die europäische Drohung, Iran wegen der Uran-Zentrifugen vor den UN-Sicherheitsrat zu bringen, deutet darauf hin, dass Europa durchaus bereit sein könnte, Ernst zu machen. Das Einlenken Irans angesichts des europäischen Drucks zeigt wiederum, dass Teheran auf so etwas reagiert.