Liebe Tierfreunde! Erinnert ihr euch noch an die Betrachtungen, die letztes Jahr an dieser Stelle über einen Hamburger Gastronomen namens Alfredo Ristorante angestellt wurden? Nun, dieser Herr mit dem sprechenden Namen hat bekanntlich das ebenfalls recht sprechende Bild einer lächelnden jungen Boxerhündin hinter seiner Theke an der Wand hängen. Diesem appetitlichen Lächeln hat sich bisher kein Gast, und sei er noch so hartgesotten, entziehen können, womit wir nicht etwa sagen wollen, dass sich die Hunderasse zum Verzehr eignet oder gar in dieser Kneipe zum Verzehr angeboten würde. Wir wollen vielmehr andeuten, dass dem deutschen Hundewesen nicht nur der notorische Schäferhund, sondern auch der Boxer zur Ehre gereicht. Der Boxer, dieser grundfreundliche, wenn auch etwas kokette Hund, ist sozusagen das Andere des Schäferhundes. Er ist unordentlich, unbissig, untüchtig und unernst. Der Boxer verhält sich zum Schäferhund wie Rossini zu Wagner, was gleichzeitig hinreichend erklärt, warum er in Italien schon beliebter ist als hierzulande. Ja, der Boxer, der Ende des 19. Jahrhunderts in München erfunden wurde, gehört zu den besten inoffiziellen Botschaftern, die wir weltweit im Einsatz haben; nur die CSU hat den Heimvorteil noch nicht bemerkt und setzt weiter auf Stoiber. Aber selbst in der Tweedwolle gefärbte Verfechter des Irak-Krieges in England sollen schon gesehen worden sein, wie sie einen absolut wehruntüchtigen deutschen Boxer über ihre Latifundien führten. Aber was heißt hier "führten"? In Wahrheit sind sie ihrerseits von einem absolut dickköpfigen, vergnügungssüchtigen Boxer über die Latifundien gezerrt worden, immer auf der Suche nach Ablenkung und einem kleinen albernen Spielchen. Deutschland, das ewig janusköpfige, wie der Franzose sagt, hat ein Schäferhundgesicht und ein Boxergesicht, ein hysterisch kläffendes Polizeigesicht und ein charmant zerknautschtes Clownsgesicht. Deutschland hat nicht nur Oberlehrer wie Bertolt Brecht hervorgebracht, sondern auch Dadaisten wie Christian Morgenstern. Deutschland, unsere Stimme zittert vor Kühnheit, hat oder hatte doch einmal – Humor. Und dieser Humor hat sogar genetische Gestalt angenommen. Liebe Tierfreunde! Schließt den Boxer in eure Gebete ein. Auf ihm ruht die ganze Hoffnung der Nation, dass ihr Humorerbe nicht gänzlich aussterben möge. Finis