Endlich Frieden! Möchte man frohlocken. Aber dies ist der Sudan, und vorerst gibt es nur einen Friedensvertrag. Außerdem gilt die vereinbarte Waffenruhe nur für den Bürgerkrieg zwischen dem Norden und dem Süden. In der Provinz Darfur, im Westen des Sudans, aber wird verbissen weitergekämpft. 70000 Menschen sollen bereits getötet worden sein, 1,5 Millionen sind auf der Flucht, Hunderttausende hungern. Da fällt es schwer, ein Stück Papier zu feiern.

Aber immerhin, die Regierung in Khartum und die Rebellen des Sudanese People’s Liberation Movement (SPLM) haben nach siebenjährigem Gefeilsche einen Bürgerkrieg beendet, der seit 1983 vermutlich zwei Millionen Menschenleben ausgelöscht hat. Es war, grob vereinfacht, ein blutiger Konflikt zwischen dem arabisch-islamischen Norden des Landes und dem christlich und animistisch dominierten schwarzafrikanischen Süden. Am Ende ging es nicht nur um die Ausweitung des islamischen Rechts auf das gesamte Staatsgebiet und um die Nutzung des Nilwassers, sondern vor allem um die gewaltigen Ölvorkommen in der Südregion. Im Sudan sollen ungefähr genauso große Reserven ruhen wie im Irak.

Fortan wollen Regierung und Rebellen die Macht und den Reichtum gerecht teilen. John Garang, der Chef der Aufständischen, wird demnächst Vizepräsident, das SPLM erhält 28 Prozent der Parlamentssitze. Die Petro-Milliarden sollen je zur Hälfte an die Zentralregierung sowie an die faktisch autonome "Südregierung" gehen. Nach sechs Jahren Übergangszeit ist ein Referendum geplant, bei dem die Völker der Südprovinzen über ihren Verbleib im Staate Sudan abstimmen dürfen. Bis dahin wird noch viel Wasser den Nil hinunterfließen, und es ist fraglich, ob sich die islamischen Fundamentalisten in Khartum dann noch an die Abmachungen aus dem Jahre 2005 erinnern können. Vielleicht warnt John Garang deshalb schon heute: "Wenn der Friedensvertrag gebrochen wird, dann wird das Land auseinander fallen."

Noch vor zwei Jahren wurde der Sudan zu den "Schurkenstaaten" gezählt. Nun ist es Präsident Omar al-Baschir gelungen, Washington und dem Rest der Welt seinen Friedenswillen zu demonstrieren. Zugleich sichert sich sein Regime den Zugriff auf das "schwarze Gold" – ohne Waffengewalt. Das schafft militärischen Spielraum im Westen, wo Khartum klammheimlich den Vernichtungsfeldzug arabischer Nomaden und ihrer Reitermilizen unterstützt und die sudanesische Luftwaffe regelmäßig Dörfer schwarzafrikanischer Ackerbauern bombardiert. Die Sanktionsdrohungen des UN-Sicherheitsrates müssen niemanden beunruhigen; sie sind, dem Veto der Chinesen sei’s gedankt, windelweich. Peking gehört übrigens zu den mächtigsten Geschäftspartnern bei der künftigen Öl-Bonanza.

Im umkämpften Westen des Sudans haben sich unterdessen weitere Rebellengruppen erhoben, die Lage wird immer verworrener. Das Beobachterhäuflein der Afrikanischen Union hat sich, nachdem es angegriffen worden war, sogleich zurückgezogen. Und die Weltfamilie scheint das Leiden in Darfur längst vergessen zu haben. Es tönt jedenfalls wie blanke Heuchelei, wenn nun bedauert wird, dass das Seebeben in Südostasien und seine verheerenden Folgen leider alle Aufmerksamkeit und alles humanitäre Engagement auf sich zögen – als ob man sich vorher für die Tragödie dort unten, irgendwo am Rande der Sahara, sonderlich interessiert hätte.