Bundesweit steigt die Zahl der Schüler, die Altgriechisch lernen - im vergangenen Jahr um vier Prozent. Sind die alten Sprachen wieder modern?

Das Interesse am Altertum ist auf jeden Fall gewachsen. In Delphi oder Olympia kriegen Sie vor lauter Touristen kein Bein mehr auf die Erde. Oder schauen Sie ins Kinoprogramm: Alexander, Troja, das kommt an. Alles, was mit der Antike zusammenhängt, strahlt dabei wohl inzwischen eine gewisse Exotik aus. An unserer Schule, wo Griechisch Pflichtfach ist, verzeichnen wir deutlich mehr Bewerbungen als früher.

Was haben Schüler heute überhaupt davon, Griechisch zu lernen?

Ich finde die Frage eigentlich falsch gestellt. Es gibt bestimmte Dinge im Leben, die per se sinnvoll sind. Sie könnten auch fragen: Wozu brauche ich ein historisches Museum? Griechisch ist unbestritten ein Grundlagenfach, methodisch und inhaltlich. Wie kann man von Demokratie reden, wenn man sich nicht mit der Kultur beschäftigt, die die Demokratie erfunden hat? Die Werke der griechischen Literatur definieren bis heute literarische Stilformen.

Tragödien von Sophokles und Euripides stehen an der Spitze der Weltliteratur.

Sie können durch kaum eine europäische Stadt gehen, ohne dass Sie nicht deutliche Spuren der griechischen Antike sehen. Und wenn Sie die Struktur von Sprache wirklich verstehen wollen, dann führt an Latein und Griechisch kein Weg vorbei. Juraprofessoren zum Beispiel finden in ihren Seminaren immer schnell die Altsprachler heraus, weil die gelernt haben, sich stundenlang mit einem Halbsatz zu beschäftigen.

Ist Griechisch schwieriger als andere Fächer?