"Es ist Krieg, und da geschehen üble Sachen", sagte US-Unteroffizier Charles Graner, nachdem ihn das Militärgericht in Fort Hood (Texas) zu zehn Jahren Haft verurteilt hatte. Aber er bedaure nichts. Graner hatte im Bagdader Militärgefängnis Abu Ghraib Gefangene systematisch misshandelt. Bekannt wurden die Ereignisse erst durch Fotos, die zeigten, wie die Häftlinge erniedrigt wurden: Auf einem der Bilder steht Graner lächelnd vor einer Pyramide nackter Gefangener. Die Fotos hatten für weltweites Entsetzen gesorgt und nach dem Eingeständnis der US-Regierung dem Ansehen der USA erheblich geschadet.Dass er stets grinsend auf den Fotos zu sehen ist, begründete der 36-Jährige mit der Absurdität der Ereignisse; anders sei das bizarre Geschehen nicht zu ertragen gewesen. "Wir haben manches falsch gemacht, wir haben manches Kriminelle gemacht", sagte Graner weiter. Trotzdem wurde er als Rädelsführer der Wachsoldaten ausgemacht, der nach wie vor zu seinen Taten steht. Graner dagegen behauptet, er sei lediglich den Befehlen seiner Vorgesetzten gefolgt. Während des Prozesses gaben auch einige Geheimdienstoffiziere zu, die US-Soldaten aufgefordert zu haben, die Häftlinge vor den Verhören "weich zu klopfen" und "ihren Willen zu brechen".Laut Graners Verteidigung wurden die Soldaten von Offizieren und zivilen US-Beratern angewiesen, die Vorschriften der Genfer Konventionen zu missachten und die Gefangenen zu "terrorisieren". Aber Militär-Staatsanwalt Hauptmann Chris Graveline hatte in seiner Anklage betont, dass es für "sadistische" Vergehen keine Rechtfertigung geben könne und auf die überragende Bedeutung des Urteils "für unser Land und … für die ganze Welt" verwiesen. Zwar verhängte die Jury nicht die Höchststrafe von 15 Jahren, aber degradierte Graner, der im Anschluss an die Haftstrafe unehrenhaft aus der Armee entlassen wird und damit alle finanziellen und sozialen Ansprüche verliert. Es war der erste Militärprozess wegen der Misshandlungen in Abu Ghraib. Vier Soldaten hatten sich bereits vor einem Prozess schuldig bekannt, sieben weitere werden noch auf der Anklagenbank sitzen - unter ihnen ist Lynndie England, die Geliebte Graners im Irak. Seit vergangenem Oktober haben sie ein gemeinsames Kind.
(CK, mit dpa)