Fritz Kuhn von den Grünen will mehr Transparenz. Doch diesmal geht es nicht um die Nebeneinkünfte von Abgeordneten: Der Politiker will an die Gehaltszettel der Großen. Deutschlands Topmanager sollen ihr Einkommen offenlegen - und zwar qua Gesetz. Schon im Frühjahr soll ein entsprechender Entwurf vorliegen. In der Sache hat Kuhn zwar Recht. Doch der Zeitpunkt für seinen Vorstoß ist falsch gewählt.

Richtig ist: Börsennotierte Firmen müssen ihre Aktionäre über die Vorstandsgehälter informieren. Gegen die Gier vieler Manager hilft nur Transparenz. Längst haben Bilanzskandale wie bei Enron, Gehaltsexzesse wie bei ABB und fragwürdige Aktienoptionsprogramme wie bei Infineon die Selbstbedienungsmentalität in vielen Top-Etagen offenbart. Das Argument der Manager, transparente Gehälter provozierten nur Neid, gilt nicht. Trotzdem sträubt sich noch immer knapp die Hälfte aller Dax-Konzerne, unter anderem DaimlerChrysler und BASF, gegen neue Regeln.

Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) hatte den Unternehmen bis zum Sommer Zeit gegeben, freiwillig zu handeln. Erst dann sei ein Gesetz fällig. An diesen Fahrplan sollte sich die Regierung halten. Die Wirtschaft braucht Konstanz. Kuhns Vorstoß kommt daher zur Unzeit. So sehr, wie es den Grünen gleich in mehrere Zeitungen drängte, geht es ihm offenkundig weniger um die Sache als um die eigene Profilierung. Transparenz? Ja, gern. Gern auch für die Motive von Politikern.