flutkatastrophe Sie wollen das Meer nicht mehr sehenSeite 2/2
Dem Chaos wieder ein Stück Kinderalltag entgegenzusetzen ist daher essenzieller Bestandteil der Hilfe. In Thailand gingen die Kinder planmäßig nach den Ferien wieder zur Schule. Wo dies wegen der Zerstörung nicht möglich ist, will Unicef Notschulen einrichten. In Südostindien versucht Birgit Dittrich, Koordinatorin der Hilfsorganisation terre des hommes, zusammen mit einheimischen Sozialarbeitern, die Kinder zu beschäftigen, mit ihnen zu spielen, zu tanzen, zu trommeln. »Das baut Spannung ab und lässt die Lebensfreude wiederkommen«, sagt sie. Und nicht zuletzt brauchen die Kinder eine Möglichkeit, sich auszudrücken, um das Geschehene und Gesehene zu verarbeiten.
Wenn sich jedoch in einigen Wochen herausstellt, wie viele Kinder chronische Symptome entwickeln, könnten Tausende in den Krisengebieten ohne angemessene Versorgung bleiben. Der Berufsverband deutscher Psychologen erwägt, ausländische Kollegen in Traumatherapie zu schulen. Während die meisten betroffenen Kinder in Deutschland auf einen Therapieplatz hoffen dürfen, müssen die Opfer vor Ort nach anderen Formen der Bewältigung suchen – ein tiefer Glaube könnte hier helfen. Vor allem im Buddhismus, so vermutet Traumaexpertin Steil, liegt ein Potenzial für die Bewältigung. Doch auch das Gegenteil kann der Fall sein: Im indischen Nagapattinam etwa nehmen es die Menschen ihrem hinduistischen Gott übel, dass er sie nicht vor der Flut gerettet hat. Mancherorts haben sie sein Abbild aus dem Tempel geworfen.
- Datum 13.01.2005 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 13.01.2005 Nr.3
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