Für die Grippeimpfung kommen grundsätzlich zwei Gruppen infrage. Die Risikokandidaten, die von Komplikationen bis hin zum Tod bedroht sind, und diejenigen, die das Virus verteilen – Krankenhauspersonal, Polizisten, Verkäufer, Personen des öffentlichen Lebens. Auch gibt es unterschiedliche Meinungen darüber, welches das richtige Alter für den jährlichen Piks ist.

Gemeinhin verkraften Kinder eine Influenza-Erkrankung sehr gut, trotzdem kommen Komplikationen und Krankenhauseinweisungen vor. In den USA erlitten 2003 mehrere Jugendliche unter 21 Jahren schwere Hirn- und Herzentzündungen. Diese Fälle sind zwar selten, trotzdem empfahlen die amerikanischen Behörden in diesem Jahr erstmals die Impfung von Kindern im Alter von 6 bis 23 Monaten. Und zwar nicht bloß zu deren eigenem Schutz. So wird die Übertragung des Virus in Schulen und Kindergärten eingegrenzt. Das schützt auch die Allgemeinheit. Zudem wird in den USA Betreuern von Kleinkindern (0 bis 23 Monate) zur Impfung geraten.

Hierzulande gilt diese Empfehlung nicht. Deutschland setzt die Prioritäten anders: Für besonders gefährdet hält die Ständige Impfkommission (Stiko) beim Robert Koch Institut die über 60-Jährigen. 95 Prozent aller Todesfälle und Krankenhauseinweisungen wegen Influenza treten in dieser Gruppe auf. Auch die chronisch Kranken schwächt eine Grippeinfektion. Deshalb empfiehlt die Stiko die Impfung von Menschen mit Multipler Sklerose, Herz-, Kreislauf-, Leber- und Nierenkrankheiten, Diabetes oder Asthma. Das Problem ist, dass die Impfung nur bei 60 Prozent der älteren Menschen anschlägt und dann schützt.

Weil das Grippevirus die Fließeigenschaften des Blutes verändert, kann es auch über 50-Jährige schwer treffen. Denn manchmal sind, ohne dass die Betroffenen es ahnen, Blutbahnen bereits verkalkt. Fließt dann bei einer Grippe das Blut stockend, drohen Herzinfarkt und Schlaganfall. Um dieser Gefahr vorzubeugen, empfehlen die amerikanischen Behörden inzwischen anstelle einer individuellen Beratung generell die Impfung schon ab einem Alter von 50 Jahren. Auch in Deutschland wird darüber nachgedacht, das Impfalter zu senken.

Es bleibt die große Gruppe der gesunden Mittelalten. Hier wirkt die Impfung besonders gut – aber die Betroffenen überstehen auch ungeimpft die Krankheit am besten. Manche schützen sich trotzdem, weil sie sich einen längeren Aufenthalt im Bett beruflich nicht leisten können. In Japan zum Beispiel lassen sich jedes Jahr fast alle 16- und 17-jährigen Schüler impfen. Sie wollen auf keinen Fall an dem einen Tag im Winter fehlen, an dem die Universitäten ihre Aufnahmeprüfungen abhalten. Schließlich haben sie lange gepaukt. Und es gibt nur diesen einen Versuch.