Als Mutterland der Globalisierungskritik will Frankreich auch bei der Entwicklung alternativer Finanzierungssysteme die Nase vorn haben. So rief der Crédit municipal kürzlich 50 Vertreter öffentlicher Sozialbanken aus Lateinamerika, Afrika, Europa und den USA zu einem Welttreffen in Paris zusammen. Einer der Vordenker dieser Bewegung ist der ehemalige französische Präsidentenberater Jacques Attali, der heute die Non-Profit-Agentur PlaNet Finance leitet. Er schätzt die weltweite Zahl der Leihhäuser und Sozialbanken auf 12 000, ihr derzeitiger Kundenstamm von 60 bis 70 Millionen soll bald auf 200 Millionen wachsen.

Bei öffentlichen Leihhäusern und Sozialbanken handelt es sich um gemeinnützige Kreditinstitute, die sich um finanzschwache Kunden kümmern, die keinen Zugang zum regulären Banksystem haben. So setzt die spanische Caja Madrid von 1702 mit 85 000 Pfandleihen im Jahr 37 Millionen Euro um, und mit einem halben Dutzend weiterer öffentlicher Leih- und Kredithäuser bietet sie mittlerweile für 15 Prozent der Spanier den einzigen Zugang zu den herkömmlichen Banken. Auch außerhalb Europas verfügen Sozialbanken über eine lange Tradition. In Algerien, wo das erste Leihhaus 1852 gegründet wurde, gibt es heute fünf solcher Sozialbanken, die unter der Führung der Bank für lokale Entwicklung jährlich 400 000 Kunden betreuen. Die 1878 gegründete Banco Ciudad in Buenos Aires erlebt seit Argentiniens Wirtschaftskrise 2001 mit jährlich 100 000 Pfandleihen und Mikrokrediten einen großen Wachstumsschub - inzwischen ist sie zur achtgrößten Bank des Landes aufgestiegen. Und die mexikanische Nacional Monte de Piedad von 1775 erreicht mit acht Millionen Kunden jährlich 250 Millionen Euro Umsatz, von denen 20 Prozent aus der Pfandleihe stammen.

Es ist insbesondere ein Name, der heute bei den internationalen Sozialbanken in höchstem Ansehen steht: Es ist Muhammad Yunus, der Ökonom, der 1983 aus einem Forschungsprojekt heraus die Grameen Bank in Bangladesch gegründet und mittlerweile 65 Millionen Armen geholfen hat - manchmal nur mit einen Mikrokredit für zwei Hühner zum Aufbau eines Kleinstzuchtbetriebes.

Die außerordentlich hohe Rückzahlungsquote von 99 Prozent führt die Grameen Bank darauf zurück, dass ihre Kunden - ähnlich wie im Pariser Leihhaus Crédit municipal - überwiegend Frauen sind, die in Geldfragen offenbar besonderes Geschick und auch besonderes Ehrgefühl haben.