usa Recht oder rechtsSeite 4/4
Einer dieser Gerichtsbeobachter ist Charles Lane von der Washington Post. Natürlich sei das Gericht in den vergangenen Jahren konservativer geworden, sagt er, so wie Amerika insgesamt. Was viele Liberale gern verdrängen würden: Schon Bill Clinton habe den Wohlfahrtsstaat zurechtgestutzt und äußerst harsche Strafgesetze erlassen. Niemals, sagt Lane, könne sich der Supreme Court dem politischen Mainstream dauerhaft widersetzen. »Er ist immer auch ein Kind seiner Zeit.« Doch bei Lichte besehen, ergänzt er, urteilten Amerikas höchste Richter unabhängig und habe sich manch Konservativer zum Liberalen gewandelt. Den umgekehrten Fall, so Lane, habe er noch nicht beobachtet.
Amerikas Liberale hoffen derweil ziemlich deprimiert auf bessere Zeiten, auf die Wahl 2008 oder 2012. Bis dahin will man wenigstens dort, wo Demokraten noch regieren, in New York, in Kalifornien, in Massachusetts, retten, was zu retten ist: Minderheitenrechte, Umweltschutz, Mindestlöhne, Wohlfahrt, das Recht auf homosexuelle Ehen. In ihrer Not haben Amerikas Linke den Föderalismus entdeckt. So hoffen sie dem republikanischen Zangengriff zu entgehen und neue Kraft zu sammeln für den Kampf um die amerikanische Seele.
- Datum 13.01.2005 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 13.01.2005 Nr.3
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