Ausgerechnet Claudia Schiffer, Herbert Grönemeyer, Wim Wenders und einige andere Promis erinnerten den Bundeskanzler kürzlich an ein großes Versprechen. Daran, dass er dazu beizutragen gelobte, dass weniger Kinder sterben; dass Armut, Aids und Hunger ausgerottet werden. Doch leider, so die Show- und Pop-Stars, sei stattdessen das weltweite Elend größer denn je. "Wir bitten Sie", appellierten Schiffer & Co deshalb an den Regierungschef, "uns zu überraschen" – und zwar mit einem Sofortprogramm zur Armutsbekämpfung, das Gerhard Schröder gemeinsam mit anderen Staats- und Regierungschefs beschließen solle. "Wir werden Ihnen öffentlich Beifall zollen."

Schröder wird in diesem Jahr viele Gelegenheiten haben, sich dieses Lob zu verdienen. Denn die Entwicklungspolitik steht in den kommenden Monaten, ausnahmsweise, ganz oben auf der Agenda der internationalen Politik. Im Juli beschäftigt sich der G8-Gipfel im Gastgeberland Großbritannien damit. Im September versammeln sich die führenden Politiker der Welt zu einem UN-Armutsgipfel. Und schon in der kommenden Woche wird der amerikanische Ökonom Jeffrey Sachs, Sonderberater von UN-Generalsekretär Kofi Annan in Sachen Armutsbekämpfung, einen Bericht zu dem gern verdrängten Thema präsentieren – kleine Unfreundlichkeiten gegenüber der Berliner Regierung inklusive. Deutschlands Stimme, monierte Sachs bereits öffentlich, sei in der entwicklungspolitischen Debatte "weltweit nicht sehr klar zu vernehmen".

Auch deshalb verzeichnet die Armutsstatistik bisher kaum Fortschritt, jedenfalls kaum welchen, der einen von der Völkergemeinschaft geträumten Traum in absehbarer Zeit Wirklichkeit werden lässt. "Wir werden keine Anstrengung unterlassen, um unsere Mitmenschen von den elenden Bedingungen der extremen Armut zu befreien, zu denen gegenwärtig noch mehr als eine Milliarde Menschen verdammt sind", hatten die Staats- und Regierungschefs beim UN-Millenniumsgipfel im September des Jahres 2000 beschlossen – und sich auf 48 konkrete Ziele bis zum Jahr 2015 verpflichtet: Halbierung der Armut, Grundschulen für alle, Verminderung der Kindersterblichkeit um zwei Drittel und, und, und.

Die erste Zwischenbilanz (PDF-Dokument), von den UN kürzlich vorgelegt, ist ernüchternd. Zwar gab es Erfolge, doch nur langsame. Besonders für die meisten afrikanischen Länder rücken die Millenniumsziele in weite Ferne. Der britische Schatzkanzler Gordon Brown hat das drohende Scheitern bereits beziffert: Eine Schule werden alle Afrikaner wohl erst im Jahr 2129 besuchen können; die Armut wird sich nicht vor dem Jahr 2147 halbiert haben. Und die Kindersterblichkeit um zwei Drittel zu reduzieren dauert bis zum Jahr 2165.