Wenn es dem Esel zu wohl wird, geht er aufs Eis. Wenn es dem Genossen zu wohl wird, geht er in Klausur. Er spottet über die Opposition, verkündet das Jahr der Entschlossenheit und macht sich entschlossen daran, erst mal abzuwarten.

Aufgeräumt, fast übermütig präsentieren sich Kanzler Schröder und SPD-Chef Müntefering zu Beginn dieses Jahres. Hartz IV und die Maut funktionieren wider Erwarten. Schröder und Außenminister Joschka Fischer werden für ihren Umgang mit der Flutkatastrophe gelobt, derweil die Union sich von ihrer Hausdemoskopin Renate Köcher bescheinigen lassen muss, dass sie vom Ziel des Regierungswechsels weiter denn je entfernt ist.

Nur nichts tun, um diesen Frieden zu stören, lautet die Devise von Schröder und Müntefering für die zweite Halbzeit, vor allem keine neuen Großreformen, die den Wähler erschrecken könnten.

Doch kaum gönnt sich die Regierung eine Verschnaufpause, lässt die Disziplin der Fußtruppen nach. Der eine fordert eine Erhöhung der Maut, der Zweite eine Abgabe für Pkw, die Dritte eine Mehrwertsteueranhebung. Gleichzeitig fängt die Regierung an, den Kredit zu verspielen, den sie durch ihr Flut-Management gewonnen hat, indem sie berechtigte Fragen zur Verwendung der Hilfsgelder als unbotmäßig abbügelt.

Die existenzgefährdende Reformanstrengung ist vorbei, die rot-grünen Erbkrankheiten treten zutage: Der Staat soll mehr einnehmen, der Autofahrer mehr bezahlen, und der Übermut der Regierenden droht in Hochmut umzukippen.