Wahrscheinlich wird wieder nichts daraus. Die Präsidenten der 16Landesparlamente werden auf ihrer Sondersitzung im Februar ein paar fromme Absichtserklärungen formulieren. Der bayerische Ministerpräsident wird sich bald nicht mehr daran erinnern, was er gerade erst gefordert hat: dass Abgeordnete, die bei einem Unternehmen beschäftigt sind, die Höhe ihres Gehalts "zwingend offen legen" müssen. Und auch der Wahlkämpfer Jürgen Rüttgers wird sein Plädoyer "für volle Transparenz der Politikereinkünfte" nicht wörtlich verstanden wissen wollen. Wahrscheinlich wird auch die jüngste Aufregung um Volksvertreter und ihre Nebentätigkeiten so enden wie die meisten Aufregungen dieser Art: ohne Folgen.

Oder ist die Zeit reif für den Durchbruch einer alten Idee?

Die Geschichte des "gläsernen Abgeordneten" begann in Deutschland 1972. Norbert Gansel war 32, der Erste aus der Generation der Jungsozialisten, der in den Bundestag gewählt wurde. Auf die damals virulente Kritik am Parlament reagierte er mit dem Versuch, "einen anderen Typus von Abgeordneten darzustellen". Der Kreisverband der Kieler SPD, der den Juristen Gansel nominiert hatte, verzichtete fortan auf Firmenspenden. Der Parlamentsneuling veröffentlichte, kaum war er gewählt, seine Einkommens- und Vermögensverhältnisse per Zeitungsinserat. Das Internet war noch nicht erfunden. 25 Jahre lang war Gansel Parlamentarier, 25 Jahre lang führte er öffentlich Buch über seine Einnahmen und Ausgaben. Die Idee, sagt er heute, sei damals ganz einfach gewesen: "Die Wähler sollten zwei Fragen beantworten können: Ist er unabhängig? Und hat er genug Zeit, um sein Mandat auszufüllen?" Es sind dieselben Fragen, die auch in diesen Tagen wieder gestellt werden.

Gansel fand im Lauf der Jahre zwar den einen oder anderen Mitstreiter, auch in anderen Parteien. Doch wer seine Einkünfte offen legt, tut dies bis heute freiwillig. Die Flick-Affäre Anfang der achtziger Jahre; der Rücktritt des damaligen Bundestagspräsidenten Rainer Barzel 1984, nachdem ein Beratervertrag für eine Frankfurter Anwaltskanzlei publik geworden war; die Vorwürfe gegen den saarländischen Ministerpräsidenten Lafontaine, der neben seinem Gehalt eine üppige Pension als früherer Oberbürgermeister bezog: Jede Affäre lieferte zwar neue Argumente für eine transparente Regelung von Diäten und Nebentätigkeiten, doch die Bedenken waren stets größer.

1995 startete Norbert Gansel mit seinem Parteifreund Peter Conradi noch einmal einen Versuch. Ihren Entwurf für eine Änderung des Abgeordnetengesetzes unterzeichneten damals mehr als 150 Vertreter von SPD, Grünen und PDS. Eine Offenlegung der Einkünfte, begründeten Gansel und Conradi ihren Antrag, sichere "das Ansehen des Parlaments und seiner Repräsentanten". Doch nicht einmal in den eigenen Reihen fanden die beiden Sozialdemokraten eine Mehrheit.

In anderen Ländern gelten wesentlich strengere Regeln, als Gansel und Conradi sie damals formuliert haben:

In den USA müssen Abgeordnete sogar ihre Schulden angeben

•In den USA sind die Vorschriften im Ethics in Government Act von 1978 festgehalten. Nicht nur Kongressabgeordnete und Senatoren, sondern auch ihre Ehepartner und Kinder müssen alle Einkünfte, Honorare und Schulden offen legen, ebenso Reisen, Unterkünfte oder Mahlzeiten, für die sie nicht selbst gezahlt haben. Auch Absprachen mit dem bisherigen Arbeitgeber über eine mögliche Beurlaubung oder Fortzahlung des Gehalts müssen angegeben werden. Die Ausübung eines privaten Berufs neben dem Mandat ist grundsätzlich erlaubt, das Einkommen hieraus darf aber einen bestimmten Prozentsatz der Diäten nicht überschreiten. Ein Komitee des Repräsentantenhauses oder des Senats kontrolliert die Angaben. Die möglichen Sanktionen reichen bis zum Ausschluss des Abgeordneten. Einmal im Jahr werden die Angaben veröffentlicht.